Ertrag nimmt ab

Zentralschweizer Mostobst wird rar: Wie lange reichen die Vorräte?

26.10.2023, 07:56 Uhr
· Online seit 26.10.2023, 07:50 Uhr
Die Mostobsternte nimmt ab: Dieser Trend ist schweizweit seit Jahren zu beobachten. Auch in der Zentralschweiz erntet man nicht mehr dieselben Mengen wie früher. Ein Experte weiss warum – und hat auch gleich Lösungsansätze bereit.
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Das Pilatusland ist nach der Ostschweiz ein wichtiger Produzent für Mostobst, also Mostäpfel und -birnen. Doch diese Tatsache droht langsam aber sicher der Vergangenheit anzugehören. Der gesamtschweizerische Ernteertrag sinkt seit Jahren – die Zentralschweiz bleibt nicht davor verschont.

Diese geringe Ernte ist auch in diesem Jahr wieder der Fall. «Stand 20. Oktober ist erst die Hälfte des erwarteten Ertrages angeliefert worden», erklärt Beat Felder, Zuständiger für Spezialkulturen beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain. Die Erwartungen liegen dabei nur bei der Hälfte der vorjährigen Ernte.

Zentralschweizer Produktion ist nicht professionalisiert

Felder kann die Abnahme der Zentralschweizer Mostobstproduktion auch beobachten – und er weiss, warum das so ist: «Viele lesen die Früchte noch immer von Hand auf. Das ist sehr aufwendig und teuer.» Da es für die meisten Landwirtschaftsbetriebe nicht die Haupteinnahmequelle ist, liefert man das Obst, wenn es viel gibt, an die Mostereien. Anderenfalls braucht man es bei nicht so grossem Ertrag gleich selbst. Sie machen dann den eigenen Most und verkaufen ihn im Hofladen. «Dieses Obst fehle dann in der Industrie – den Mostverarbeitungsbetrieben», sagt Felder gegenüber PilatusToday und Tele 1.

Wir haben die Erntemengen der letzten Jahre mit Zahlen des Bundesamtes für Landwirtschaft und des Schweizer Obstverbandes grafisch dargestellt. Die Angaben beinhalten die Obsterträge, die in den Mostverarbeitungsbetrieben abgeladen werden.

Ernteüberschüsse sind unprofitabel

Kommt es in einem Jahr zu Ernteüberschüssen, fällt die Ernte grösser aus wie erwartet, müssen die Landwirte diese finanziell mittragen. Sprich: Die Bauernbetriebe bekommen nicht mehr denselben Preis für das abgelieferte Obst. Bis und mit dem Jahr 2020 sei das immer wieder der Fall gewesen, meint Felder.

Daraufhin waren weniger Landwirtschaftsbetriebe bereit, auf Mostobst zu setzen. Für die verbleibenden Betriebe hat das Vorteile, denn sie bekommen den ganzen Preis für ihr Mostobst. Felder wagt auch eine Prognose: «Die aktuellen Bestände der Hochstammbäume werden kaum mehr Überschüsse abwerfen.» Das sei zwar gut für die Landwirte, ändern müsse sich daran trotzdem etwas.

Klimawandel beeinflusst die Ernte zunehmend

Für Felder ist der Klimawandel nicht ganz unschuldig an der abnehmenden Ernte: «Die Hochstämmer mögen die Wetterkapriolen nicht.» Lange Trockenheit lässt die Früchte nicht wachsen, ein zu nasser Frühling verhindert wie in diesem Jahr die Bestäubung der Blüten, und so wirkt sich das schlussendlich direkt auf den Ernteertrag aus.

Hochstämmer Pflanzen und Importe vermeiden

Die Bäume in der Zentralschweiz werden immer älter. Weil die Produktion sich in der Vergangenheit als unrentabel erwiesen hat, wurde die Pflege der Bäume vernachlässigt. Neue Hochstämmer zu pflanzen kam bei vielen aufgrund der Unsicherheit bezüglich der Rentabilität nicht infrage. Das spüre man jetzt. «Die Mostereien haben noch Erntereserven für ein Jahr. Wenn es so weiter geht, reichen die Vorräte nicht mehr, um den Schweizer Mostkonsum zu decken», so Felder.

Folglich wären die Mostverarbeitungsbetriebe auf ausländisches Obst angewiesen. Das würde die Preise für die regionalen Landwirte weiter nach unten drücken. Felder ergänzt kritisch: «Man muss mit allen Mitteln versuchen, die Versorgung mit Schweizer Obst auch in Zukunft sicherzustellen.»

Beim Getränkehersteller Ramseier Suisse AG aus Sursee scheint das aber noch kein Thema zu sein. Der Geschäftsführer Christoph Richli schreibt auf Nachfrage von PilatusToday: «Es wird für diese Saison kein ausländisches Obst importiert. Unsere Ramseier Obstsäfte werden zu 100 Prozent aus Schweizer Rohstoffen hergestellt.»

Zentralschweiz hinkt hinterher

In der Ostschweiz habe man wieder begonnen, im grossen Stil Hochstamm-Obstbäume anzupflanzen. In der Zentralschweiz sei das noch nicht der Fall, da die Produktion noch nicht so professionalisiert ist wie in der Ostschweiz, erklärt Felder. Denn laut dem Spezialisten vom BBZN Hohenrain würde sich die Mostobstproduktion finanziell durchaus attraktiv gestalten lassen: «Wenn man einen mechanisierten Betrieb mit schönen Bäumen hat, ist es ein attraktiver Zweig», so Felder. Dafür müssten aber in einem ersten Schritt ganz viele neue Bäume gepflanzt werden.

Die Aussichten seien gut, dass vermehrt wieder Landwirtschaftsbetriebe in die Mostobstproduktion einsteigen, behauptet Felder. Doch bis die Zentralschweiz soweit ist, werden noch Jahre vergehen.

veröffentlicht: 26. Oktober 2023 07:50
aktualisiert: 26. Oktober 2023 07:56
Quelle: PilatusToday

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