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Tag der Pflege

Luzerner Pflegerinnen erzählen, warum sie diesen Beruf gewählt haben

12. Mai 2021, 13:28 Uhr
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© Getty Images
Sind es die seelischen und körperlichen Belastungen oder die unregelmässigen Arbeitszeiten? Der Pflegeberuf wird immer unattraktiver. Wir wollten von den Pflegefachleuten wissen, wieso sie sich dennoch für diesen Beruf entschieden haben.

Zum heutigen Tag der Pflege haben wir mit Pflegefachpersonen in unterschiedlichen Arbeitssituationen gesprochen und wollten von ihnen wissen, was sie an ihrem Job besonders mögen und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt.

Veronica Nsimba, 29, Diplomierte Pflegefachfrau HF

«Längerfristig werde ich nicht in der Pflege bleiben.»

© Veronica Nsiba

Mein Arbeitsalltag bei der Spitex Luzern besteht zu einem grossen Teil aus der Organisation von Pflegeprozessen. Ich kümmere mich um bestehende Klienten und führe bei neuen Klienten ein Erstgespräch. Ich lege Pflegeziele fest, erstelle einen Pflegeplan und notiere alle wichtigen Massnahmen, damit jeder Mitarbeitende weiss, wo was im Haushalt zu finden ist und was gemacht werden muss.

Auch die Pflege vor Ort gehört zu meinen Aufgaben. Während eines Arbeitstages betreue ich zwischen fünf und neun Klienten zu Hause. Dazu gehören Aufgaben wie die Körperpflege der Person, Wundversorgung, richten, kontrollieren und Abgabe von Medikamenten und Medizinaltechnik wie zum Beispiel Stoma-Material.

Intensiv mit den Klienten zu arbeiten, ist für mich eine Bereicherung. Sie sind dankbar für unseren Einsatz und es tut mir gut, ab und zu ein «Danke» oder eine Anerkennung für meinen Job zu bekommen.

Was viele Leute unterschätzen, ist die Funktion in der Seelsorge. Ich bin für Klienten oft Ansprechpartner bei seelischen Problemen. Dann liegt es an mir, entsprechende Massnahmen zu ergreifen und meine Klienten zu unterstützen. Ebenso schwierig ist es, sobald ich einen Haushalt in kritischen Situationen verlasse, das Geschehene hinter mir zu lassen und weiter zu funktionieren.

Mit Unterbruch arbeite ich mittlerweile seit sieben Jahren in der Pflege und kann mir nicht vorstellen, dies bis zu meiner Pension zu tun. Zu gross ist für mich auf Dauer die physische und psychische Belastung. Um dem landesweiten Pflegekräftemangel entgegenwirken, fordere ich eine der Ausbildung und Tätigkeit gerechten Bezahlung, mehr Zeit und eine Reduktion der hohen Arbeitsbelastung durch bessere Arbeitsbedingungen.

Evelin Dolder, 38, Abteilungsleiterin Pflege

«Ich wünsche mir, dass es nicht bei Applaus auf den Balkonen bleibt.»

© LUKS

Ich finde den Pflegeberuf extrem vielseitig. Ich komme mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt, kann ihnen Gutes tun und erlebe unglaublich viel Dankbarkeit. Der Beruf bietet auch viele Möglichkeiten, sich fachlich und persönlich weiter zu entwickeln. Ich habe 2009 die Ausbildung diplomierte Pflegefachfrau HF am LUKS abgeschlossen und leite seit 2012 eine Abteilung mit 63 Festangestellten, davon 6 Teamleitungen und 31 Mitarbeitende in Ausbildung. Ich bin sehr froh, dass ich eine solche Aufgabe auch in Teilzeit als zweifache Mutter ausüben kann, auch wenn das noch nicht selbstverständlich ist.

Mein Pflegealltag beginnt um 7 Uhr und ist sehr vielfältig: Unterstützung der Mitarbeitenden beim Verabreichen von Medikationen und in der Pflege von Patienten, Gesprächsführungen, Qualitätsentwicklung, Arbeitsplanung, Rekrutierung und vieles mehr. Im Alltag ist es mir sehr wichtig, dass die Mitarbeitenden gleichmässig ausgelastet sind. Wir tauschen uns dazu im Team mehrmals pro Tag aus.

Wir sind am Luzerner Kantonsspital das einzige Team, das nebenbei noch für eine Covid-Abteilung zuständig ist. Dort ist die Herausforderung der stark wechselnde Aufwand. Mal haben wir eine Handvoll Patienten, mal das Dreifache. Deren Zustand kann sich innert zwölf Stunden schlagartig ändern und wir kippen in eine Überbelastung. Das bedingt präzise Planung meinerseits und sehr hohe Flexibilität des Teams. Solche Situationen sind oft unberechenbar wie die Pandemie. Sehr gerne würden wir einen Schalter drehen können, um das zu beenden und zu unseren gewohnten Patientinnen und Patienten zurückkehren zu können.

Wir haben durch Covid-19 sehr viel gelernt, mussten ein unbekanntes Krankheitsbild kennen lernen, die richtigen pflegerischen Massnahmen herausfinden — Wissen, das man in keinem Buch fand.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es nicht bei Applaus auf den Balkonen bleibt, sondern dass die Politik die Pflege als eigenständigen Beruf anerkennt und wertschätzt. Für die vielen positiven Rückmeldungen von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen sind wir sehr dankbar. Sie machen unseren Beruf so wertvoll und motivieren uns immer aufs Neue.

Sibylle Kräuchi, 31, Diplomierte Pflegefachfrau HF

«Ich habe für mich den Pflegeberuf ausgewählt und entschieden zu bleiben.»

© Residio/Sibylle Kräuchi

Ich arbeite bereits seit 15 Jahren als Pflegefachfrau, vier davon bin ich im Betagtenzentrum Residio in Hochdorf in der Demenzwohngruppe tätig. Während eines Arbeitstages habe ich viele administrative Aufgaben wie zum Beispiel die Arbeitsorganisation, die Tagesverantwortung oder die Führung von Mitarbeitenden zu erledigen. Trotzdem kommt der Kontakt zu den Bewohnenden nicht zu kurz. Dabei gehört es zu meinen Aufgaben, den Krankheitszustand einzuschätzen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und die individuelle Pflege zu gestalten.

Beginne ich eine Schicht, weiss ich nie, was auf mich zukommt. Ich muss mich auf verschiedene Situationen einlassen können und ein Gespür für die Bedürfnisse der Bewohnenden entwickeln.

Während der Pandemie hat sich mein Arbeitsalltag nicht grundlegend verändert. Es sind neue Aufgaben hinzugekommen, wie das Besuchermanagement oder die regelmässigen Corona-Abstriche. Das hatte mehr Arbeitsaufwand zur Folge, der wiederum durch die unveränderten Personalressourcen zu einer höheren Belastung geführt haben.

Was mir an meinem Beruf in der Pflege besonders gefällt, ist die Arbeit mit Menschen. Sie in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten und zu unterstützen, hat auch mir in meiner persönlichen Entwicklung geholfen.

Rahel Scheiber, 26, Diplomierte Pflegefachfrau HF

«Für mich ist die Pflege eine Herzensangelegenheit.»

© Rahel Scheiber

Seit über sieben Jahren und genauso lange im Betagtenzentrum Emmen arbeite ich in der Pflege. In meinem Alltag bin ich neben der Betreuung unserer Bewohnenden auch verantwortlich für Organisation und Kommunikation im Team. Einer meiner grössten täglichen Herausforderungen besteht darin, Anliegen wahr- und ernst zunehmen. Sei es von Bewohnenden, Angehörigen oder Teammitgliedern.

In meinen sieben Jahren als Pflegefachfrau durfte ich viel über mich selber lernen, auch weil man bereits in jungen Jahren mit grossen Themen konfrontiert wird, wie zum Beispiel Leben und Tod, Schmerz, aber auch Themen der Lebensqualität im Alter.

Das Schönste an meinem Beruf ist die Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Menschen, mit ihren Biografien, verschiedenen Herkunftsgeschichten, Emotionen und Eigenarten. Die Zusammenarbeit im Team ist sehr gut und es gefällt mir, Studierende und Lernende zu begleiten. Zuwendung schenken, ist zudem für mich sehr erfüllend.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass der Mensch weiterhin im Zentrum stehen darf und die Bürokratie nicht überhandnimmt. Pflege ist für mich eine Herzensangelegenheit. Der Beruf ermöglicht es mir, mich immer weiter zu entwickeln und zu wachsen.

(nwe)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Mai 2021 10:10
aktualisiert: 12. Mai 2021 13:28