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Erneute Gewitter

Gefahrenstufe 3 in der Zentralschweiz: Heute könnte es wieder krachen

Chantal Gisler, 30. Juli 2021, 16:57 Uhr
In Luzern bleiben die Massnahmen entlang des Reussufers noch erhalten. In Stansstad warnte die Gemeinde von einem stark belasteten Abwassernetz. Mittlerweile hat der Bund die zweithöchste Gefahrenstufe ausgerufen.
Hochwasser in Luzern vor rund einer Woche.
© PilatusToday

Die Temperaturen sind angenehm, die Wasserpegel in Seen und Flüssen gehen langsam wieder zurück. Eigentlich will man ja gar nicht an das schlechte Wetter denken. Aber das Potenzial für neue Hochwasser und Überschwemmungen ist bereits wieder da. Das sagt Meteorologe Reto Vögeli. Denn das Hoch, das uns diese sommerlichen Temperaturen beschert, schwächt sich langsam ab.

Ab Samstagnachmittag kann es lokal zu kräftigen Gewittern kommen – es kann sein, dass es bis am Dienstag durchregnet. Da die Böden gesättigt sind und die Pegelstände noch nicht überall auf normalem Niveau sind, kann es hie und da zu Überschwemmungen kommen. Der Meteorologe räumt ein: «Es ist schwierig, das Wetter zwei Tage im Voraus für einen Ort genau vorherzusagen.» Dennoch sollte man vorbereitet sein.

Der Bund hat für einen Grossteil der Schweiz die Gewitter-Gefahrenstufe 3 von 4 herausgegeben. Sie gilt von Samstag, 15 Uhr, bis Sonntag, 3 Uhr morgens. Den Höhepunkt dürfte das Gewitter zwischen 18 Uhr und Mitternacht erreichen, heisst es auf der Internetseite des Bundes. Das Gewitter kann Hagel, Sturmböen, Starkregen und eine hohe Blitzaktivität mitbringen.

Nicht alles zurückgebaut

Das ist man in Luzern auf jeden Fall. So wurden die Sandsäcke und Massnahmen entlang der Reuss nicht zurückgebaut. «Es würde zu lange dauern, sie ab- und wieder aufzubauen. Ausserdem sind wir so für den Fall gewappnet, dass es wieder zu Hochwasser kommen könnte», sagt Urs Dossenbach, Projektleiter Kommunikation der Stadt Luzern. Die Stadt habe aus den Hochwassern im 2005 gelernt: «Die Abläufe wurden optimiert.»

Die Einsatzkräfte konnten gezielt und in Ruhe die Interventionsmassnahmen gemäss Notfallplanung umsetzen. «Das regelmässige Training der Einsatzkräfte zur Bewältigung von Unwetterereignissen gemeinsam mit den Fachleuten der kantonalen Abteilung Naturgefahren aus der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur sowie den Behörden ist uns sicherlich zugute gekommen», heisst es von der Stadt Luzern weiter. «Des Weiteren hatten wir aber auch Glück, dass die Starkniederschläge nicht länger andauerten und die Situation nicht ganz so kritisch war wie beim Hochwasser 2005.»

So hatte es 2005 ausgesehen

Nicht barfuss über überflutete Flächen

Eine besondere Situation hatte Stansstad. Auf der Webseite der Gemeinde hiess es letzte Woche, dass das Abwassernetz stark belastet sei. Die Bevölkerung wurde gebeten, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Es war zwar eine präventive Massnahme, aber man bat die Bevölkerung sicherheitshalber auch, nicht barfuss über überflutete Flächen zu laufen.

Probleme mit dem Abwassernetz hatte Stansstad schon 2005. Das Abwasser fliesst normalerweise direkt zur ARA, doch die kann bei grossen Mengen nicht alles säubern. Das Wasser staut sich zurück und tritt über. «Es war dieses Mal kritisch, aber nicht so kritisch wie 2005», stellt Lukas Wagner von der Centraplan AG klar. Die Firma ist ein Ingenieurbüro für Strassen-, Wasser- und Infrastrukturbau sowie Wasserversorgungen und Siedlungswasserbau.

Wagner kennt die Abwassersituation in Stansstad und erklärt: «Nach dem Hochwasser 2005 haben wir zusätzliche Pumpen und Pumpwerke installiert, die seither geblieben sind.» Damit hatten sie die Situation unter Kontrolle. Wagner beruhigt: «Aber auch wenn das Abwasser hochkommen würde, wäre das unbedenklich. Denn das Abwasser wäre durch den vielen Regen sehr verdünnt, dass da keine Gefahr lauern würde.» Er geht davon aus, dass es beim Gewitter vom Wochenende keine Probleme mit dem Abwassernetz geben wird. «Ganz sicher kann man das natürlich nicht sagen, aber wir wären mit den Pumpen vorbereitet.»

Bilder aus Stansstad der letzten Woche

Chantal Gisler
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 22. Juli 2021 17:40
aktualisiert: 30. Juli 2021 16:57