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Kanton Schwyz rüstet auf

Cybercrime: «Es gibt auch Personen, die sechsstellige Beträge verlieren»

25. August 2021, 12:51 Uhr
Über 300 Anzeigen gab es im vergangenen Jahr im Kanton Schwyz wegen Cyberdelikten. Mehr als 5 Millionen Franken wurden erbeutet. Mit mehr Personal und mehr Aufklärung der Bevölkerung möchte man dagegen ankämpfen. Auch Zug rüstet auf.
Der Kanton Schwyz rüstet auf im Kampf gegen Cyberkriminalität.
© KEYSTONE/EPA/SASCHA STEINBACH

«Wir haben Sie über Ihre Webcam gefilmt, wie Sie einen Porno schauen. Überweisen Sie uns 500.-, sonst werden wir die Bilder veröffentlichen.» Eine Mail mit diesem Inhalt hatte wohl schon so mancher in seinem Posteingang. Viele Personen lässt so eine Nachricht mittlerweile kalt. Doch gibt es auch Menschen, die den Erpressern Geld überweisen. «Es kommt immer auf die persönliche Situation einer Person an», erklärt Florian Grossmann, Kommunikationschef der Kantonspolizei Schwyz.

Neben dem beschriebenen Betrugsversuch gibt es in der digitalen Welt zahlreiche Betrugsmaschen, die auch in der analogen Welt vorkommen. Online bestellte Ware, die nicht geliefert wird, falsche Anlagen, die verkauft werden, aber auch, «dass von Firmen Lösegeld gefordert wird», so Grossmann. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Kantonspolizei Schwyz wegen solchen Taten über 300 Anzeigen. «Es gibt Personen, die sechsstellige Beträge verloren haben.» Insgesamt belief sich die Deliktsumme im Kanton Schwyz 2020 auf fünf Millionen Franken.

Bevölkerung wird aufgeklärt

Zur Aufklärung solcher Taten verstärkt die Kantonspolizei Schwyz nun den Fachbereich Cybercrime. Ab dem kommenden Jahr machen sich neu fünf Personen auf Spurensuche im Netz. «Das sind gewöhnliche Polizisten mit entsprechenden Ausbildungen.»

Die Aufklärungen von Taten im Netz ist häufig kompliziert und weniger erfolgsversprechend als in der analogen Welt. «Wir bewegen uns in einem schwierigen Umfeld», so Grossmann. «Kernaufgabe der Polizei ist es aber sowieso, eine Tat zu verhindern.» Die Schwyzer Kantonspolizei setzt daher auf Prävention, damit die Betrugsversuche im Netz auf keinen fruchtbaren Boden treffen. Am 30. September in Küssnacht und am 28. Oktober in Einsiedeln organisiert sie darum zwei Veranstaltungen, um die Bevölkerung für Cyberdelikte zu sensibilisieren.

Auch Kanton Zug investiert in Cybersicherheit

Der Kanton Zug will sich am Aufbau des Nationalen Testinstituts für Cybersicherheit (NTC) mit 7,55 Millionen Franken beteiligen. Dazu kommen 1,4 Millionen Franken für die Schaffung einer zentralen Informations- und Anlaufstelle für KMU.

Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsparlament die entsprechenden Kredite, wie er am Mittwoch mitteilte. Das NTC soll Abhilfe schaffen und insbesondere die KMU und damit «das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft stärken».

KMU für digitale Welt rüsten

Kernaufgabe des Kompetenzzentrums sei die Prüfung vernetzter Komponenten auf ihre Cybersicherheit. Die Aufträge dafür kommen von Unternehmen aus der Privatwirtschaft, der Verwaltung und anderen Körperschaften wie Hochschulen oder NGO. Mit der Anlauf- und Informationsstelle soll zudem die Widerstandsfähigkeit der KMU gegenüber Angriffen aus dem Cyberspace gefördert werden.

Der Kanton Zug möchte mit der Unterstützung der beiden Cybersecurity-Projekte «den Denk- und Werkplatz Zug noch attraktiver machen», wie sich Finanzdirektor Heinz Tännler in der Mitteilung zitieren lässt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 25. August 2021 12:26
aktualisiert: 25. August 2021 12:51