Hochschule Luzern

So nehmen Krebs-Betroffene ihre Therapie wahr

6. Mai 2021, 08:27 Uhr
Krebs ist nicht nur körperlich, sondern auch seelisch eine grosse Herausforderung. Aber wie nehmen die Betroffenen die Behandlung wahr? Dazu gibt es bis jetzt keine Daten. Um das herauszufinden und zu verbessern, hat die Hochschule Luzern Patienten und ihre Angehörigen befragt.
Eine personalisierte Krebstherapie verspricht bessere Erfolgschancen. (Symbolbild)
© UKRO/ Insel Gruppe

Krebs ist in den meisten Fällen kein Todesurteil mehr. Trotzdem verändert sich das Leben nach einer Diagnose. Termine bei Spezialisten, Untersuchungen und Chemotherapie – das Leben wird vom einen auf den anderen Tag völlig auf den Kopf gestellt. Aber: Die Zahl der Krebsüberlebenden in der Schweiz steigt, heisst es vonseiten der Krebsliga Zentralschweiz.

Um die Behandlung zu verbessern, muss man wissen, wie die Patienten die Behandlung wahrnehmen. Fehlt ihnen etwas? Werden sie gut betreut und ausreichend informiert? Bisher gab es zu diesen Fragen keine verlässlichen Daten. Jetzt haben Forscherinnen und Forscher der Hochschule Luzern (HSLU) erstmals eine breit abgestützte Befragung durchgeführt.

20 Prozent sind unzufrieden

235 Krebsbetroffene und 48 Angehörige aus der Zentralschweiz wurden in der neuen Studie befragt. Die Krebsliga Zentralschweiz, Patientinnen und Patienten sowie diverse Fachpersonen haben das Projekt in einer Begleitgruppe unterstützt. Finanziert wurde es massgeblich von «All.Can Schweiz».

Das Ergebnis: 92 Prozent der Befragten sind mit der Krebsversorgung in der Zentralschweiz zufrieden. «Die Erkenntnisse der Studie und der Dialog mit den Fachleuten zeigen, dass in der Zentralschweiz trotz hoher Qualität der Krebsbehandlung Verbesserungspotenzial besteht», sagt Oliver Kessler, Studienleiter und Dozent an der Hochschule Luzern.

Denn: 20 Prozent geben an, sich im Bezug auf die Behandlung über-, unter- oder fehlversorgt zu fühlen. Das heisst, sie haben entweder das Gefühl, zu viele oder zu wenige Behandlungen erhalten zu haben. Oder sie denken, dass sie falsch behandelt worden sind.

Zu wenig Kommunikation

Während der Behandlung ist es schwierig, individuelle Bedürfnisse zu erfüllen. Ursachen sind häufig Zeitmangel oder mangelhafte Kommunikation der Fachkräfte. Das zeigt sich auch in der Studie: 21 Prozent wünschten sich nach der Diagnose Zeit für klärende Gespräche mit den Fachpersonen.

Diese Haltung spiegelt sich auch beim nächsten Punkt wider: In 32 Prozent der Fälle, in denen eine Spezialistin oder ein Spezialist hinzugezogen wurde, hatten die Betroffenen den Eindruck, nicht genug in die Entscheidungsfindung einbezogen worden zu sein.

«Wenn die Onkologin oder der Onkologe sagt, die Behandlung sei aus medizinischer Sicht erfolgreich gewesen, heisst das nicht automatisch, dass die Patientin oder der Patient das auch so sieht», sagt Oliver Kessler.

Ein wichtiger Aspekt bei der Krebsbehandlung, ist die seelische Gesundheit. Laut den befragten Personen wird die Lebensqualität stark davon beeinflusst, ob sie in dieser schwierigen Zeit eine positive Lebenseinstellung bewahren können. Hier spielt das soziale Umfeld eine grosse Rolle. Entscheidend ist auch die persönliche, empathische und professionelle Betreuung durch Fachpersonen.

Dialoge führen

Die Erkenntnisse sollen die Lebensqualität von Krebskranken und ihren Angehörigen verbessern. Das HSLU-Forschungsteam wertet die Ergebnisse mit der Begleitgruppe jetzt vertieft aus. So sollen Massnahmen zur Verbesserung der Zentralschweizer Krebsversorgung entwickelt werden. Die Ergebnisse werden an Dialogveranstaltungen mit Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten diskutiert, sobald es möglich ist.

Daraus wollen Oliver Kessler und sein Team konkrete Handlungsempfehlungen für Organisationen und Fachpersonen ableiten, die Krebspatienten behandeln.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. Mai 2021 08:05
aktualisiert: 6. Mai 2021 08:27
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