Industrie

Dätwyler spürt den Margendruck durch die hohe Inflation

24. August 2022, 09:30 Uhr
Der Urner Industriekonzern Dätwyler hat im ersten Halbjahr 2022 gegenüber der Vorjahresperiode den Umsatz in den fortgeführten Geschäftsbereichen klar gesteigert. Die gestiegenen Kosten und Effekte aus den jüngsten Übernahmen drückten hingegen auf den Gewinn und die Marge.
Der Hauptsitz des weltweit tätigen Industriekonzerns Dätwyler in Altdorf. (Archivaufnahme)
© KEYSTONE/URS FLUEELER
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Der Umsatz mit dem fortgeführten Geschäft legte um knapp 12 Prozent auf 541,6 Millionen Franken zu, wie der Spezialist für Dichtungslösungen am Mittwoch mitteilte. Zu diesem Wachstum trugen auch die in den vergangenen Monaten zugekauften Firmen bei, nämlich die nordamerikanische QSR und die chinesische Yantai Xinhui Packing.

Bereinigt um die negativen Währungseffekte und die erstmals konsolidierten Umsätze von QSR und Xinhui von 34,1 Millionen Franken lag das organische Wachstum bei 5,9 Prozent. Die Vorjahreszahlen sind zur besseren Vergleichbarkeit um die per Ende September des vergangenen Jahres verkaufte Division Reichelt bereinigt.

Lieferengpässe gut gemeistert

Vier der fünf Geschäftseinheiten hätten im ersten Halbjahr ihre Umsätze aus dem Vorjahr übertroffen, teilte Dätwyler mit. Ausnahme sei der Bereich Mobility gewesen, auf den sich die rückläufige Automobilproduktion ausgewirkt habe. Die Lieferengpässe für Rohmaterialien und Vorprodukte seien gut gemeistert geworden, und die Lieferfähigkeit sei jederzeit voll erhalten gewesen.

Der Dätwyler-Konzern ist in zwei Divisionen gegliedert, Healthcare Solutions und Industrial Solutions. Healthcare Solutions beliefert unter anderem Impfstoffhersteller oder andere Pharmafirmen mit Zubehör wie Elastomer-Komponenten, etwa als Verschlusspfropfen für Kanülen mit Medikamenten. Hier nahmen die Verkäufe organisch um 12,6 Prozent auf 265,7 Millionen Franken zu.

Industrial Solutions verzeichnete einen Umsatzzuwachs von 12,1 Prozent auf 279,5 Millionen, allerdings begünstigt durch den Umsatz der übernommenen QSR und positive Währungseffekte. Bereinigt um diese Effekte ergab sich organisch ein knappes Minus.

Preiserhöhungen wirken verzögert

Auf Gewinnebene schlugen die schwierigen Umstände im ersten Semester durch. Die geopolitischen Entwicklungen und die zunehmende Inflation hätten die Inputkosten im ersten Halbjahr an allen Standorten stark ansteigen lassen, schreibt Dätwyler dazu. Aufgrund der zeitverzögerten Wirkung der umgesetzten Preiserhöhungen und Kosteneinsparungen sei deshalb auch die Marge unter Druck geraten.

Der operative Gewinn (EBIT) der fortgeführten Geschäfte reduzierte sich in der Folge um gut 18 Prozent auf 72,5 Millionen Franken und die entsprechende Marge um knapp 5 Prozentpunkte auf 13,4 Prozent. Darin enthalten sind auch einmalige negative Sondereffekte.

Anspruchsvolles zweites Semester sehe bevor

Der Reingewinn nahm um gut 14 Prozent auf 57,4 Millionen Franken ab. Damit wurden die Erwartungen der Analysten auf Stufe Umsatz und Reingewinn leicht übertroffen, während beim EBIT eine Punktlandung erfolgte.

Die revidierten Prognosen vom Mai werden vom Konzern bestätigt. So peilt das Unternehmen für das laufende Jahr einen Umsatz zwischen 1,15 und 1,20 Milliarden Franken an - inklusive der akquirierten QSR und Yantai Xinhui. Die EBIT-Marge soll zwischen 13 und 16 Prozent liegen.

Insgesamt zeigt sich das Unternehmen im Ausblick dennoch vorsichtig und rechnet mit einem anspruchsvollen zweiten Semester. Dätwyler geht davon aus, dass der anhaltende Krieg von Russland in der Ukraine weiter für viel Unsicherheit und hohe Preise für Rohmaterialien und Vorprodukte sorgen wird. Hinzu komme der befürchtete Mangel an Erdgas und an Elektrizität in Europa.

Quelle: sda
veröffentlicht: 24. August 2022 09:30
aktualisiert: 24. August 2022 09:30