Grosse Unterschiede

Weshalb sind die Strompreise in Gersau dreimal höher als in Göschenen?

Lara Abderhalden, 10. September 2022, 08:04 Uhr
Die Strompreise für das kommende Jahr unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde stark. Während die Bevölkerung in der Gemeinde Gersau mehr als 40 Rappen pro Kilowattstunde bezahlt, sind es in Göschenen nur rund 13 Rappen. Ein Experte ordnet ein.
Gersau ist eine der Zentralschweizer Gemeinden, die im kommenden Jahr die höchsten Strompreise hat.
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Wer in den Schwyzer Gemeinden Gersau, Ingenbohl, Küssnacht oder Oberiberg zu Hause ist, zahlt ab kommendem Jahr die höchsten Stromgebühren in der Zentralschweiz. Eine Kilowattstunde kostet dort rund 41 Rappen. In Unteriberg, der Nachbargemeinde von Oberiberg, sind die Preise hingegen nur etwa halb so hoch, wie eine Übersicht des Bundes zeigt.

Am günstigsten ist der Stromtarif in der Zentralschweiz in Göschenen. In der Urner Gemeinde kostet eine Kilowattstunde knapp 13 Rappen – das sind rund ein Drittel der Kosten, die in Gersau bezahlt werden müssen.

Hier findest du den Strompreis deiner Gemeinde.

In den dunkelorange markierten Gemeinden gibt es die höchsten Strompreise, in den dunkelgrünen Gemeinden die tiefsten.

© Elcom

Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE repräsentiert die Interessen der Schweizer Stromwirtschaft und setzt sich für die Rahmenbedingungen ein. Julien Duc ist Mediensprecher des Verbandes und steht im Interview Rede und Antwort.

Herr Duc, wie kommen die grossen Unterschiede bei den Strompreisen zustande?

Julien Duc: Die Preisunterschiede hängen nicht von den Gemeinden beziehungsweise dem Ort ab, sondern von den Verteilnetzbetreibern, also den lokalen Versorgern. Es gibt kleine Netzgebiete, die nur aus einer Gemeinde bestehen und grosse Netzgebiete wie beispielsweise EKZ, BKW oder Romande Energie, die ganze Regionen abdecken. So kann es in benachbarten kleinen Gemeinden tatsächlich grosse Preisdifferenzen geben.

Wovon hängen diese Unterschiede ab?

Entscheidend ist, ob Strom mehrheitlich aus Eigenproduktion bezogen oder am Markt beschafft wird. Versorger ohne oder mit wenig Eigenproduktion, die Strom für ihre Kundinnen und Kunden also hauptsächlich am Markt beschaffen, müssen die aktuell hohen Marktpreise bezahlen. Das bekommen letztlich die Endkunden zu spüren. In den vergangenen Jahren waren die Preise an den Grosshandelsmärkten tief. Damals profitierten Kundinnen und Kunden von Versorgern, die hauptsächlich am Markt beschafften. Heute ist dies genau umgekehrt.

Andererseits spielt es auch eine Rolle, über welchen Zeitraum Strom beschafft wird. Bei Versorgern, die langfristig einkaufen, macht sich die Preissteigerung weniger stark oder erst später bemerkbar. Bei Versorgern, die kurzfristig einkaufen, steigt der Preis stärker und schneller, dafür sinkt er wieder stärker und schneller, sobald sich die Situation an den Märkten entspannt.

Kann der Konsument etwas tun oder müssen die höheren Strompreise einfach so hingenommen werden?

Der Strompreis in der Grundversorgung ist reguliert und gilt für ein Jahr. Kundinnen und Kunden können den Grundversorger nicht frei wählen und müssen die Preise des lokalen Versorgers hinnehmen.

Das heisst: Wer sparen will, muss seinen eigenen Stromkonsum einschränken?

Die hohen Strompreise können ein Anreiz sein, den eigenen Stromverbrauch zu optimieren oder sogar zu senken. Energiesparen lohnt sich nicht nur aus Kostengründen, sondern aktuell besonders im Hinblick auf die kritische Winterversorgung.

Welchen Einfluss kann der Bund auf die Strompreise nehmen?

Der Strompreis in der Grundversorgung wird von der ElCom, der Preisüberwacherin im Elektrizitätsbereich, reguliert und geprüft. Die Frage, ob zum Beispiel einkommensschwache Verbraucherinnen und Verbraucher finanziell unterstützt werden müssen, weil die Stromrechnungen höher ausfallen, muss der Bund beantworten. Obschon die Strompreise vielerorts gestiegen sind, werden sie weiterhin einen kleinen Teil eines Haushaltsbudgets ausmachen – verglichen mit anderen Budgetposten.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 10. September 2022 06:40
aktualisiert: 10. September 2022 08:04