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Studie der PH Zug

Fernunterricht hinterlässt grosse Lücken, die mit Nachhilfe gestopft werden

Chantal Gisler, 12. Juli 2021, 06:19 Uhr
Vor allem Schüler aus sozial schwächeren Familien konnten weniger aus dem Fernunterricht mitnehmen. Das zeigt das sogenannte «Lernbarometer» der Pädagogischen Hochschule Zug. Gleichzeitig melden Nachhilfeportale, dass sie nach dem Fernunterricht fast überrannt worden sind.
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Quelle: PilatusToday

Wie hat die Coronapandemie und der Fernunterricht während des Lockdowns die Schülerinnen und Schüler in der Schweiz beeinflusst? Bis jetzt gab es einige kleinere Umfrage dazu. Vor kurzem wurde eine Studie veröffentlicht, die genau diese Umfragen zusammenführt:  Das Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie der Pädagogischen Hochschule Zug hat ein sogenanntes Schul-Barometer lanciert.

Etwa zwei Drittel der Eltern erwarten negative Auswirkungen des Fernunterrichts auf den Erfolg ihrer Kinder. Dieser Meinung sind auch die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler. Von den Lehrpersonen teilen nur ein Drittel diese Befürchtung.

Ein Grossteil der Lehrpersonen beklagten sich über die fehlende Motivation der Schüler. Gleichzeitig erklärten drei von zehn Schüler, dass sie Mühe mit dem Organisieren ihres Tagesablaufs haben. Helfen konnten die Eltern nicht. Den meisten Eltern fehlt schlicht die Zeit, um ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen. Und: Rund einem Drittel fehlt die fachliche Kompetenz. Besonders Kinder aus sozial- und bildungsschwächeren Familien hatten Mühe mit dem Fernunterricht. 

Grosse Nachfrage in Luzern

Der Fernunterricht hat einen Nebeneffekt: Die Nachhilfe boomt seit Beginn der Coronapandemie. Wir haben bei Nachhilfeschulen nachgefragt. Einige, die schweizweit tätig sind und andere, die sich auf die Zentralschweiz fokussieren. Die Ergebnisse sind unterschiedlich: Die «Zugernachhilfe» beispielsweise verzeichnet nur einen minimalen Anstieg der Aufrufe ihrer Webseite.

Anders sieht es in Luzern aus: Lukas Jud betreibt seit Jahren das Online-Nachhilfeportal «Nachhilfe in Luzern». «Normalerweise haben wir etwa zehn Schülerinnen und Schüler», erklärt der Luzerner. Während der Pandemie hat sich die Nachfrage vervielfacht. «Wir wurden regelrecht überrannt.» Die Nachfrage war so gross, dass Jud und seine Frau ein neues Online-Portal aufziehen mussten, auf dem Schüler an Nachhilfecoaches vermittelt werden.

Die meisten Anfragen kamen, als der Fernunterricht eingeführt wurde. «Wir haben von vielen Eltern gehört, dass die Schülerinnen und Schüler nicht an allen Themen so arbeiten, wie sie sollten und dass es viel Leerlauf gibt.»

Anstieg erst nach den Lockerungen

Mit der hohen Nachfrage während des Fernunterrichts ist Luzern die Ausnahme. Während des ersten Lockdowns verzeichnete die Nachhilfe schweizweit keinen Anstieg. Das schreibt das Onlineportal «Tutor24». Hier kann man mit Inseraten nach Nachhilfelehrern suchen, aber auch als Nachhilfelehrer ein Inserat aufschalten. «Da wir Personen vermitteln, die sich vorher nicht kannten, hat der erste Lockdown zu einer drastischen Reduktion von Inseraten geführt», erklärt Tom Stierli, vom Tutor24-Team.

Erst als die Schulen wieder öffneten, stieg die Anzahl der Inserate wieder. «Heute sind auf beiden Seiten, also Schüler und Lehrer, leicht mehr Inserate online als vor der Pandemie», sagt Stierli. Diesen Anstiegt merkt auch Pascal Ryf, Geschäftsführer von «fit4school». Die Stiftung mit Sitz in Basel betreibt in der Deutschschweiz die meisten Standorte, auch in der Zentralschweiz ist sie vertreten. «Im ersten Halbjahr stieg die Nachfrage nach Lernunterstützung mit den ersten Lockerungen, vor allem für Coachings zur Stärkung der Selbstlernkompetenz», sagt Ryf. «Die stärkste Nachfrage entwickelte sich dann in den Sommerferien.»

Diese Entwicklung ist pandemiebedingt. «Man verreiste nicht, sondern blieb Zuhause. Viele Familien sahen das wohl als Chance, um ihre Kinder den Schulstoff aufarbeiten zu lassen, der durch den Fernunterricht bei manchen Lücken hinterliess.» Viele Eltern haben allerdings schon zu Beginn der Pandemie realisiert, dass die Kinder Mühe zeigen, selbstständig zu lernen.

«Wir hörten immer wieder, dass die Kinder zwar genügend Unterlagen haben, aber nicht wissen, wie sie die Themen angehen sollen. Hier helfen Lerncoachings.» Fachliche Lücken entstünden vor allem in den Hauptfächern Deutsch, Französisch und ganz besonders in Mathematik. Das ist problematisch, da vor allem diese Fächer auf den vorherigen Themen aufbauen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Juli 2021 06:19
aktualisiert: 12. Juli 2021 06:19