Hünenberg

Trotz besorgter Eltern: Kanton verzichtet auf Zebrastreifen an Schulweg

19. November 2022, 10:30 Uhr
Beim Knoten «Matten» in Hünenberg wurde wegen einer Sanierung der Zebrastreifen entfernt. Trotz den Sorgen und Ängsten von Kindern und Eltern soll dies so bleiben. Der Fussgängerstreifen darf nicht erneuert werden, sagt der Kanton.
Der Zebrastreifen an der Sinserstrasse in Hünenberg wurde wegen Bauarbeiten entfernt.
© Luzerner Zeitung / Matthias Jurt
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Die Kreuzung «Matten» an der Sinserstrasse in Hünenberg ist mit durchschnittlich 10'200 Fahrzeugen täglich viel befahren. Wegen Belagsschäden und Verformungen wurde die Strasse von April bis August saniert. Dabei wurde auch der Fussgängerstreifen entfernt. Die Bau- und die Sicherheitsdirektion des Kantons Zug entschied anschliessend, den Fussgängerstreifen nach der Sanierung nicht mehr zu markieren.

Wegen Belagsschäden und Verformungen wurde die Sinserstrasse im Bereich Matten von April bis August saniert. Dabei wurde der Fussgängerstreifen entfernt. 

© Luzerner Zeitung / Matthias Jurt

Dies sei vor allem für Kinder eine grosse Herausforderung. 30 Jahre lang gab es bei der Kreuzung «Matten» einen Fussgängerstreifen, rund 20 Kinder brauchten ihn beinahe täglich. Dass der Zebrastreifen nun fehlt, sei eine Gefahr und die Eltern machten sich dementsprechend Sorgen, wie die Luzerner Zeitung berichtete.

Kinder haben Angst und kommen zu spät zur Schule

«Wir haben Einspruch eingelegt. Der Knotenpunkt ist kein sicherer Schulweg, er ist nicht sicher überquerbar für Kinder», sagt Florian Iten, Anwohner der Kreuzung. Seine Tochter, die in der ersten Klasse ist, fühle sich nicht wohl beim Überqueren der Strasse. «Meine Tochter kann nicht so über die Strasse gehen, wie sie es gelernt hat». Mit dieser Meinung sind die Anwohner nicht allein. Die Gemeinde sieht die Situation gleich.

«Die Kinder sind es gewohnt zu warten, bis das Auto anhält», erklärt Hubert Schuler, Sicherheits- und Umweltdirektor von Hünenberg. So sei ein Kind eine Viertelstunde zu spät in den Unterricht gekommen, weil die Autos nicht anhielten und es sich nicht traute, die Strasse zu überqueren.

Kanton muss Fussgängerstreifen entfernen

Aufgrund der neuen Normen wird bei Strassen ausserorts kein Fussgängerstreifen mehr markiert. Die Normen vor 30 Jahren, als der Fussgängerstreifen erstmals markiert wurde, waren noch anders. «Wenn wir als Behörde einen Strassenabschnitt sanieren, sind wir verpflichtet, die aktuellen Normen anzuwenden», erklärt Stephan Schleiss, Stellvertreter der Sicherheitsdirektion beim Kanton. Er gebe aber zu, das Überqueren der Strasse bei der Kreuzung «Matte» sei nicht angenehm.

Aus Sicherheitsgründen keine Markierung

Die Eltern forderten, dass der Fussgängerstreifen wieder markiert wird. Die Sicherheitsdirektion liess die Situation deshalb von einer unabhängigen Stelle der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU überprüfen. Diese empfiehlt, dass aus Sicherheitsgründen kein Fussgängerstreifen markiert werden soll. Durch eine Mittelinsel und entsprechende LED-Beleuchtungen sei die bestmögliche Sicherheit für Fussgängerinnen und Fussgänger möglich.

Schulbus oder Verkehrslotsen

Weiter hält das BFU fest, dass die Überquerung der Kreuzung für Kinder im Kindergarten- und Primarschulalter nicht selbstständig zu bewältigen sei. Dies aufgrund des vielen Verkehrs. Die Gemeinde solle deshalb für einen sichereren Schulweg sorgen.

Doch es werden auch verschiedene Massnahmen empfohlen, um die Verkehrssicherheit bei der Kreuzung zu verbessern. An der besagten Kreuzung herrscht ein Tempolimit von 60 km/h, dieses würde jedoch oftmals überschritten werden. Deshalb plant die Zuger Polizei Geschwindigkeitsanzeigen anzubringen und das Tempolimit auch zu kontrollieren.

Gleichzeitig würden die beiden Bau- und Sicherheitsdirektion weitere Massnahmen prüfen, welche das Überqueren der Kreuzung für Fussgänger verbessern würde. So zum Beispiel zusätzliche Strassenmarkierungen oder auch Hecken zurückschneiden.

Um die Lage speziell für Schulkinder zu verbessern, werde man sich der Thematik annehmen und über Massnahmen wie mögliche Schulbusse oder Verkehrslotsen diskutieren, so Schleiss. Der Kanton Zug werde sich für solche Massnahmen mit der Gemeinde Hünenberg austauschen.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 18. November 2022 09:54
aktualisiert: 19. November 2022 10:30