Arbeitslosigkeit Zentralschweiz

«Es darf ja nicht zu einem zweiten Lockdown kommen»

Sophie Müller, 7. Mai 2020, 19:08 Uhr
Wie sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt entwickelt, hängt stark vom Verlauf der Corona-Krise ab. (Archivbild)
© Keystone / Georgios Kefalas
17'000 Arbeitnehmende in der Schweiz haben allein im April ihren Job verloren. In der Zentralschweiz trifft die Corona-Krise insbesondere Arbeitnehmende im Tourismus und dem Gastgewerbe.

Seit dem Lockdown brechen den meisten Gastronomiebetrieben in der Schweiz die Umsätze weg. Über 70 Prozent der Angestellten leisten Kurzarbeit. Die Arbeitslosenquote im Schweizer Gastgewerbe lag im April bei 9,9 Prozent – fast doppelt so hoch wie im Vorjahresmonat.

Einige Gastronomiebetriebe mussten während des Lockdowns gar Konkurs anmelden. Um die Wirte davor zu bewahren, hat der Branchenverband Gastro Uri den Mitgliedern frühzeitig einen Brief geschrieben, sagt Präsident Joe Herger: «Sofort Kurzarbeit anmelden. Das heisst ja, dass man die Leute dementsprechend nicht entlassen muss.»

Ab Montag dürfen die Gastronomiebetriebe unter strengen Auflagen wieder öffnen. Ob das die erhoffte Rettung bringt, wagt der Branchenverband jedoch zu bezweifeln.

Im Tourismus entscheidet die Konsumentenstimmung

Über die Zukunft der Tourismusbranche entscheide wohl die Konsumentenstimmung, sagt Stefan Schulthess, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees: «Die Kunden müssen wieder Vertrauen haben, müssen wieder Lust haben in ein Restaurant oder auf ein Schiff zu gehen.»

Die Tourismusbranche hofft auf Kundschaft aus der Schweiz (Archivbild).
© Keystone / Urs Flueeler

Sollte das noch monatelang nicht der Fall sein, werde die Arbeitslosenquote in der Branche wohl noch weiter ansteigen. Spätestens, wenn die Reserven aufgebraucht sind und die Kurzarbeitsentschädigungen nicht mehr ausreichen, rechnet Schulthess mit weiteren Konkursen.

Gerade in Destinationen wie Luzern mit vielen Gästen aus dem Ausland hoffe man, die Umsatzeinbrüche mit Touristen aus der Schweiz zu kompensieren. Schulthess rechnet jedoch damit, dass die Bergregionen im Sommer stärker von dieser Situation profitieren werden, als die Städte.

«Wir müssen wieder konsumieren»

Damit die Arbeitslosenquote während der Corona-Krise nicht noch viel stärker ansteigt, muss die Schweizer Bevölkerung in der Lockerungsphase reagieren, Ferien in der Schweiz machen und wieder mehr Geld ausgeben. Dazu rufen die Branchenverbände und Adrian Derungs, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz auf: «Wir müssen wieder konsumieren. Wir müssen wieder in eine Normalität zurück wollen. Nur so können wir das ganze System wieder ins Laufen bringen.»

Vom Bund fordert die Industrie- und Handelskammer zudem eine klare Kommunikation, welche Massnahmen die Unternehmen treffen müssten, würden die Fallzahlen wieder steigen: «Es darf ja nicht zu einem zweiten Lockdown kommen.» Ansonsten dürften die Arbeitslosenzahlen während der Corona-Krise weiter ansteigen.

Der Schweizerischer Gewerkschaftsbund fordert die Arbeitgeber deshalb auf, die Jobs zu erhalten. Die Unternehmen werden vom Bund mit Hilfspaketen in Milliardenhöhe unterstützt. Deshalb sollte man nicht gleichzeitig Leute entlassen müssen, heisst es in einer Mitteilung.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. Mai 2020 18:16
aktualisiert: 7. Mai 2020 19:08