Pestizide

Bis zu 150 Franken mehr für Wasser bezahlen

31. August 2020, 07:32 Uhr
Gemeinden rechnen mit hohen Kosten, um das Trinkwasser aufbereiten zu können. (Symbolbild)
© Keystone/GAETAN BALLY
Trotz dem Chlorothalonil-Verbot belasten dessen Abbaustoffe weiter das Schweizer Grundwasser. Die Gemeinden müssen reagieren, um die Qualität des Trinkwassers zu gewährleisten. Aber das kostet.

In einigen Gemeinden, so auch im Luzernischen Fischbach, werden die Grenzwerte des Abbaustoffs des Pestizids Chlorothalonil um ein Vielfaches überschritten. Sie stehen deshalb vor einer grossen Herausforderung: Die hohe Qualität des Schweizer Trinkwassers zu erhalten (wir berichteten). Die Abbaustoffe sind jedoch mit den verbreiteten Aufbereitungsmethoden kaum aus dem Wasser zu holen. Und alternative Methoden sind teuer.

Ein Gemeinderat einer betroffenen Gemeinde schätzt gegenüber «Blick», dass das Verbot dazu führen könnte, dass pro Haushalt bis zu 150 Franken mehr für Wasser fällig werden. Somit ist auch die Politik gefordert. Auf nationaler Ebene sind in diesem Bereich mehrere Vorstösse hängig. Der Bund soll die Kosten nicht einfach auf die Gemeinden abwälzen können. Zur Diskussion steht ausserdem, dass den Wasserversorgern mehr Zeit eingeräumt wird, um die Problematik in den Griff zu bekommen. Für viele ist es unrealistisch, innerhalb von zwei Jahren eine Lösung zu finden, so der Blick.

Vernetzung als Lösung

Doch wie kann überhaupt eine Lösung gefunden werden? Kurzfristig können Fassungen gesperrt werden, oder belastetes Grundwasser wird mit sauberem verdünnt. Das sind jedoch kaum nachhaltige Lösungen. Langfristig braucht es neue, saubere Quellen oder eine Vernetzung der Wasserversorger. In diesem Bereich, schreibt die «Luzerner Zeitung», ist die Aquaregio AG eine Vorreiterin. Sie stellt in acht Luzerner Gemeinden die Trinkwasserversorgung sicher und kann bei Engpässen entsprechend reagieren. Der Verwaltungsratspräsident der Aquaregio, Sacha Heller, betont gegenüber der LZ: «Wir nehmen das Thema sehr ernst, stehen in regelmässigem Kontakt mit den kantonalen Behörden und führen selber quartalsweise bei sämtlichen Fassungen Messungen durch.» Er ist optimistisch, dass er die Chlorothalonil-Grenzwerte langfristig eingehalten werden können – auch dank der Verbundstrategie.

Weitere Herausforderungen

«Das Problem kann nachhaltig nur mit einem besseren Schutz des Grundwassers als wichtigste Ressource für Trinkwasser gelöst werden», sagt aber der Direktor des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW) Martin Sager gegenüber Blick. Die Politik müsse das Pestizidproblem an der Wurzel anpacken. Die Chlorothalonil-Problematik wird sich auf kurz oder lang entschärfen, weil die Belastung im Wasser zurückgeht. Der Bund jedoch könnte weitere Pestizide verbieten, befürchtet Sager. Dies würde die Wasserversorger abermals vor Probleme stellen.

(kra)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 31. August 2020 06:32
aktualisiert: 31. August 2020 07:32