Nachfolge Ueli Maurer

Gregor Rutz will nicht Bundesrat werden

Matthias Steimer, 5. Oktober 2022, 07:29 Uhr
Jetzt gibt er gegenüber der Today-Redaktion seinen Verzicht bekannt. Das Kandidatenfeld lichtet sich im grössten Kanton. Alle Augen richten sich auf Natalie Rickli. Thomas Matter führt Gespräche.

Quelle: TeleZüri / Sendung vom 4. Oktober 2022

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Politbeobachter zählten ihn zu den Favoriten. Jetzt wird nichts aus der Bundesratskandidatur von Gregor Rutz. Der Zürcher SVP-Nationalrat erklärt gegenüber der Today-Zentralredaktion: «Ich strebe kein Exekutivamt an. Als Gewerbler und Unternehmer stehen für mich meine beruflichen Projekte im Vordergrund.»

Er sei seit der Rücktrittsankündigung von Ueli Maurer von der Bevölkerung und der Politik ermuntert worden, als dessen Nachfolger zu kandidieren: «Diese Reaktionen und Aufforderungen haben mich riesig gefreut – und sie motivieren mich gleichzeitig, mich weiterhin mit vollem Elan für die SVP und eine bürgerlich-liberale Politik einzusetzen!», dies jedoch weiterhin im Nationalrat.

Damit lichtet sich das Zürcher Kandidatenfeld. Ebenfalls keine Ambitionen hat SVP-Regierungsrat Ernst Stocker. Wobei dessen Kandidatur von Beginn weg unwahrscheinlich erschien; der 67-Jährige sehnt sich bekanntermassen nach dem politischen Ruhestand.

Natalie Rickli im Fokus

Vielmehr richten sich die Augen auf Stockers Amtskollegin Natalie Rickli. Die Regierungsrätin gilt als Top-Anwärterin auf den Bundesratsjob. Rickli bringt Parlaments- und Exekutiverfahrung mit. Sie ist überparteilich akzeptiert. Die SVP stellte noch nie eine Frau im Bundesrat - viele Frauenstimmen im Parlament wären ihr gewiss. Nur käme der 45-Jährigen und ihrer Partei eine Kandidatur zeitlich äusserst ungelegen, sind doch im Februar Regierungsratswahlen. Abgesagt hat Rickli indes noch nicht.

Bedeckt hält sich auch SVP-Nationalrat Thomas Matter. Auf Anfrage sagt er: «Es laufen Gespräche». Ihm wird das Amt grundsätzlich zugetraut. Ob der Bankunternehmer im Wahlkörper mehrheitsfähig wäre, steht auf einem anderen Blatt.

Überraschungskandidatur der SVP Zürich?

Immer wieder für höhere Ämter interessiert hat sich SVP-Nationalrat Alfred Heer, er kam aber nie in die Kränze. Ob sich der 60-Jährige mit einer Bundesratskandidatur in einen letzten Kampf stürzen will, ist bislang nicht zu erfahren - es wäre eine Überraschung. Apropos Überraschung: Ueli Maurer wurde viel gelobt für seine Volksnähe. Und die SVP wünscht sich weniger «Studierte» in den hohen Ämtern.

Geht man in der Zürcher SVP auf die Suche nach bodenständigen Politikern, kommt man an Mauro Tuena nicht vorbei. Er ist seit 2015 Nationalrat, zuvor war er Zürcher Gemeinde- und Kantonsrat. Der 50-Jährige kann politische Führungserfahrung auf Partei- und Kommissionsebene ausweisen. Wird der «Gmögige» jetzt zum Zürcher Überraschungskandidaten? Oder wäre das Bundesratsamt doch eine Schuhnummer zu gross für ihn? Gegenüber der Today-Redaktion lässt er alles offen: «Ich möchte mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äussern», so Tuena.

Zürich unter Druck

Sicher ist: Viel Zeit bleibt nicht. Bis am 6. Oktober sollten sich die Zürcher Politikerinnen und Politiker entscheiden, ob sie kandidieren wollen. Dann beginnen die SVP-internen Hearings des Kantons. Die Kantonalpartei muss ihre Namen bis am 21. Oktober der Findungskommission der SVP Schweiz melden. Bislang war Zürich als grösster Kanton der Schweiz fast durchgehend im Bundesrat vertreten. Gerade Wirtschaftskreise wollen eine Kandidatur sehen, damit zumindest die Chance besteht, Ueli Maurers Zürcher Sitz weiter zu besetzen.

Konkurrenz aus anderen Kantonen

Schweizweit hat sich noch niemand aus der Deckung gewagt. Alle bisher genannten Papabili ausserhalb des Kantons Zürich betrachtet, hätten der Berner Albert Rösti und die St. Gallerin Esther Friedli wohl die besten Chancen, von der Vereinigten Bundesversammlung in den Bundesrat gewählt zu werden. Gegen sie zu gewinnen, würde für Zürcher Kandidierende kein Spaziergang.

Quelle: Today-Bundeshaus-Redaktion
veröffentlicht: 4. Oktober 2022 15:58
aktualisiert: 5. Oktober 2022 07:29