Innerschweizer Schwinger

Verletzungshexe trübt Saison – doch fürs ESAF haben wir einen «Joker»

Tobias Hotz, 12. Juli 2022, 07:22 Uhr
Der vergangene Sonntag war der bisherige Höhepunkt der Innerschweizer Schwingsaison. Eine Saison, die laut unseren Schwing-Experten geprägt ist von zahlreichen Verletzungen. Einem, der gerade von einer langen Verletzungspause zurück kommt, trauen sie in dieser Saison noch den ganz grossen Wurf zu.
Mike Müllestein (unten) musste das Rigi Schwingen nach zwei Gängen abbrechen. Im Anschwingen verlor er gegen Lario Kramer.
© Keystone / Urs Füeler

Die Innerschweizer Schwingfans kamen am Sonntag nicht aus dem Feiern. Kurz nach 17 Uhr krönte der Chamer Pirmin Reichmuth sein Comeback mit dem Sieg am Aargauer Kantonalen. Nur zehn Minuten später holte Joel Wicki auf der Rigi seinen zweiten Festsieg innerhalb einer Woche. Sind die Innerschweizer wirklich derart stark, wie es die beiden Siege vermuten lassen oder war das Wochenende mit vier von 14 möglichen Kränzen am Heimfest auf der Rigi doch eher eine Enttäuschung?

Joel Wicki feierte am Sonntag seinen zweiten Festsieg auf der Rigi.

© KEYSTONE/Urs Flueeler

«Die vier Kränze auf der Rigi sind hoch einzuordnen. Gerade mit Blick auf die starken Gäste», sagt Tele 1-Schwingexperte Linus Fessler. Gerade der Kranzgewinn des Obwaldners Jonas Burch falle positiv auf. «Er hat sich den Kranz mit dem Sieg im 6. Gang gegen Werner Schlegel mehr als verdient.»

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Quelle: Tele 1

Verletzungshexe fliegt über die Innerschweiz

Auf der Rigi nicht um einen Kranz mitschwingen konnten Reto Nötzli und Mike Müllestein. Beide mussten nach zwei Gängen das Fest beenden. «Das ist sinnbildlich für die bisherige Saison der Innerschweizer», analysiert der im Mai zurückgetretene Philipp Schuler. Hinter der absoluten Spitze kämpfen die Innerschweizer immer wieder mit Verletzungen. «Marcel Bieri startete erst verspätet in die Saison. Michael Gwerder befindet sich nach seiner schweren Knieverletzung erst im Aufbau.»

Der 32-fache Kranzgewinner und Tele 1-Experte René Suppiger baut die Verletzungsliste gar noch weiter aus: «Noe van Messel leidet am Pfeifferschen Drüsenfieber und Marco Ulrich ist an den Rippen verletzt.» Seit dem ISAF fehlt auch noch Christian Schuler verletzt. Auf dem Stoos stand er noch im Schlussgang. Durch die vielen Verletzungen fehle es im Innerschweizer Mittelfeld an Schwingern, die das Potenzial haben, regelmässig Eidgenossen zu bezwingen oder stellen können.

Fehlte auf der Rigi wie viele andere verletzt: Christian Schuler. (Archiv)

© KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Dass es die Innerschweizer eigentlich können, hätten sie am ISAF in Ennetbürgen bewiesen. «Mit Reto Fankhauser und Urs Riebli konnten zwei Schwinger aus dem Mittelfeld einen Eidgenossen bezwingen», so Philipp Schuler. Er blickt daher auch positiv in Richtung Saisonhöhepunkt EASF. «Trotz nicht immer perfekten Resultaten, spüre ich, dass die Innerschweizer an einem Strick ziehen.»

Ein Joker für Pratteln

«Wir haben nicht so viele Königskandidaten wie andere Teilverbände», so Linus Fessler. Alle drei Experten sind aber überzeugt, dass sowohl Joel Wicki als auch Pirmin Reichmuth Ende August grosse Chancen auf den Königstitel haben. «Durch das starke Comeback von Pirmin Reichmuth haben wir quasi einen Joker gezogen», sagt Philipp Schuler. Auch Joel Wicki werde von seinem Comeback profitieren. «Es wird ihm helfen zu wissen, dass auch noch ein anderer Innerschweizer alle schlagen kann.»

Pirmin Reichmuth feiert seinen Sieg am Aargauer Kantonalen. Dies nach einer fast dreijährigen, corona- und verletzungsbedingten Wettkampfpause.

Doch wie stehen die Chancen der aufstrebenden Innerschweizer wie Marc Lustenberger oder Lukas Bissig? «Sie sind sicher nicht mit dem jungen Nordostschweizer Werner Schlegel zu vergleichen. Schlegel konnte bereits Kranzfeste gewinnen», so René Suppiger. Ihnen sei aber durchaus zu zutrauen, an den kommenden Eidgenössischen Schwingfesten einen Kranz zu gewinnen. Bei optimalen Festverlauf vielleicht bereits in Pratteln.

Ob wir in der Innerschweiz bald einige neue Böse oder gar einen König empfangen dürfen, wird sich in 45 Tage zeigen. Dann heisst es in Pratteln: «Manne ad Arbet.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Juli 2022 07:22
aktualisiert: 12. Juli 2022 07:22
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