Jodlerfest

«Man muss ehrgeizig sein» – Wie zwei Junge zum Fahnenschwingen fanden

Tobias Hotz, 20. Juni 2022, 14:16 Uhr
Sie gehören zu jedem Schwingfest: die Fahnenschwinger. Am Zentralschweizerischen Jodlerfest stehen sie für einmal im Mittelpunkt. Genau wie die Jodler und Alphornbläser zeigen sie ihr Können vor der Jury. In diesem Jahr liessen auch zahlreiche Junge die Fahnen fliegen.
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Quelle: PilatusToday

Zwei Schweizerfahnen fliegen hoch in den stahlblauen Himmel von Andermatt. Begleitet werden sie vom Klang von zehn Alphörnern. Eine Menschentraube hat sich um die zehn Musikanten und die beiden Fahnenschwinger gebildet. Es ist eine typische Szene für ein Jodelerfest. Überall wird musiziert und es singen spontan Formationen miteinander.

Die beiden Fahnenschwinger sind der 16-jährige Silvan Bürgisser und der 19-jährige Silvan Schilliger. «Meine Kollegen sind nicht so daran interessiert», sagt Schilliger auf die Frage, was seine Freunde zu seinem Hobby sagen. Zum Fahnenschwingen gekommen sind beide über den Vater eines Kollegen, der für die Sennenchilbi in Küssnacht noch auf der Suche jungen Fahnenschwingern war.

Silvan Schilliger hat vor sechs Jahren mit dem Fahnenschwingen begonnen.

© PilatusToday

Das sei ein typischer Start einer Fahnenschwinger-Karriere, erklärt Obmann Bernhard Schuler. «Viele haben das Fahnenschwingen im Blut.» Mit Freude blickt er auf den Wettbewerb in Andermatt zurück. «Wir hatten einige junge Fahnenschwinger am Start.» Das liege aber nicht an einem möglichen Boom. «Viele bekommen die Leidenschaft vererbt. Zuwachs gibt es häufig, wenn gerade einige Kollegen gemeinsam das Brauchtum entdecken.»

Während es beim Jodeln und Alphornblasen auf die richtigen Töne ankommt, sollte der Auftritt eines Fahnenschwingers mit Ausnahme der Begleitmusik still über die Bühne gehen. «Wenn es beim Fahnenschwingen laut wird, ist etwas schiefgelaufen», erklärt Obmann Bernhard Schuler.

Bis man die 1,20 auf 1,20 Meter grosse Fahne elegant durch die Luft fliegen lassen kann, brauche es viel Geduld. Ein Jahr intensives Proben sei nötig. «Man muss ehrgeizig sein. Wenn ein neuer Schwung gelingt, kriegt man Komplimente von den Vereinskollegen. Das motiviert sehr», so Schilliger, der seit sechs Jahren aktiv ist.

Vereinskollegen in jedem Alter

Das Kollegiale sei bei diesem Hobby sowieso sehr wichtig. «Wir haben alle Altersschichten im Verein. Der Austausch untereinander ist sehr spannend.» Zum Vereinsleben gehöre jedoch nicht nur die gegenseitige Unterstützung, sondern auch das Beisammensitzen. «Das macht doch einen Verein aus.»

Silvan Bürgisser erreichte in Andermatt die Höchstnote.

© PilatusToday

Genau in diesem Zeichen stand auch der Sonntag der beiden jungen Fahnenschwinger. Anstossen auf ein gelungenes Fest, Fachsimpeln und auf dem Festgelände für staunende Augen zu sorgen. Denn: «Fähndle ist einfach schön.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 20. Juni 2022 09:57
aktualisiert: 20. Juni 2022 14:16
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