Bio zu teuer

Bauer aus Ruswil wehrt sich: Detailhandel verdient an Bio «goldene Nase»

· Online seit 08.10.2023, 21:22 Uhr
Bio-Lebensmittel sind teurer als andere Lebensmittel. Wie eine Analyse nun aber zeigt, ist der Preisaufschlag bei Bio-Produkten teilweise ungerechtfertigt. Ein Dilemma für die Bauern, diese verzichten nämlich bewusst auf eine Umstellung des Hofs. Dies, weil sich Bio schlichtweg nicht lohnt.

Quelle: Tele 1

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Die Schweizer Bevölkerung bezahlt zu viel für Bioprodukte. Zu diesem Entschluss ist eine Analyse des Volkswirtschaftsprofessors Mathias Binswanger gekommen, welche im «Tagesanzeiger» veröffentlicht wurde. Konkret kommt er zum Schluss, dass wir pro Jahr über 100 Millionen Franken zu viel zahlen. Dies, weil Coop und Migros bei den Bio-Produkten, im Vergleich zu den konventionellen Produkten, zu viel Geld aufschlagen.

Dies spürt auch der Landwirt Hanspeter Renggli aus Ruswil. Bio-Lebensmittel würden sich für ihn nicht lohnen, weshalb er sich für IP-Suisse entschied. Für ihn ist klar, die Detailhändler spielen ein falsches Spiel: «Es ist verlogen, dass sie die heile Welt den Konsumenten vorgaukeln. Uns Bauern missbrauchen sie für die Werbung, aber verdienen dann selbst eine goldene Nase.» 

Hohe Preise gehen an den Detailhandel

Genau gleich sieht es auch der Volkswirtschaftsprofessor Mathias Binswanger. Die Analyse, welche im Auftrag des Vereins «Faire Märkte Schweiz» durchgeführt wurde, deckt Vermutungen über überhöhte Margen bei Bioprodukten auf. Binswanger: «Die hohen Preise gehen an den Detailhandel und nicht direkt an die Bauern.»

Gründe dafür sieht Binswanger in der Marktmacht von Coop und Migros, die etwa 70 Prozent des Schweizer Lebensmittelhandels abdecken. So würden diese Unternehmen zum einen bewusste und kaufkräftige Kunden ausnutzen. Zum anderen werde bewusst mit den Bauern ein niedriger Preis verhandelt. Dies kann dazu führen, dass Bauern Schwierigkeiten haben, ihre Produktionskosten zu decken und wenig Anreize haben, auf umweltfreundliche Produkte umzustellen.

Extremer Aufschlag bei Bio-Kartoffeln

Der extreme Aufschlag sieht man besonders bei den Kartoffeln. Ein Kilo M-Budget oder Prix Garantie Kartoffeln kostet 1.20 Franken. Die Hälfte davon, also 60 Rappen, geht an die Bauern. Ein Kilo Bio-Kartoffeln hingegen kostet 5.75 Franken. Hier bekommen die Bauern aber nur einen Fünftel, also 1.02 Franken.

Coop und Migros verteidigen gegenüber dem «Tagesanzeiger» ihre Preispolitik und argumentieren, dass die Kosten für die Bio-Produkte höher seien, da sie oft getrennt von konventionellen Produkten transportiert und verarbeitet werden müssen. Auf Anfrage von PilatusToday und Tele1 äussert sich Coop wie folgt: «Coop verdient an Bio-Produkten unter dem Strich nicht mehr als an konventionellen Produkten. Unseren Produzent:innen bezahlen wir faire und marktgerechte Preise. Insgesamt werden sie deutlich über dem Durchschnitt entschädigt.»

Absatz von Bio stagniert, was die Umwelt gefährdet

Gemäss der Analyse liegt die Problematik darin, dass Bio für die Bauern nicht wirtschaftlich ist. Entsprechend stagniert der Absatz von Bio-Produkten, weshalb der Wandel der Landwirtschaft hin zu mehr Umweltschutz gefährdet ist. Damit sich dies künftig ändert, ist für den Landwirten Hanspeter Renggli klar: «Der Mehrpreis soll zurück an die Bauern. So können wir wirtschaftlich arbeiten und machen uns unabhängiger von staatlicher Unterstützung.»

Auch Biswanger fordert, dass die Detailhändler fairere Preise an die Bauern zahlen. Dadurch würde eine nachhaltige Lebensmittelversorgung gefördert. Deshalb schlägt er vor, dass Coop und Migros ihre Bio-Produkte nicht mehr als 20 Prozent teurer verkaufen sollten als die konventionellen Produkte. Da jedoch auch die Wettbewerbskomission keinen Grund zum Handeln sieht, werden die Preise wohl nicht entsprechend angepasst. 

Um mehr Druck aufzubauen, wird der Verein «Faire Märkte Schweiz» alle drei Monate die Konsumenten- und Produzentenpreise prüfen und vergleichen. Diese werden dann immer veröffentlicht. 

veröffentlicht: 8. Oktober 2023 21:22
aktualisiert: 8. Oktober 2023 21:22
Quelle: Tagesanzeiger/PilatusToday

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