Wahl-Serie Teil 3

«Es ist schade»: Non-binäre müssen als Mann oder Frau kandidieren

· Online seit 17.03.2023, 21:15 Uhr
Von den 870 Kandidierenden sind drei non-binär. Das heisst, sie identifizieren sich nicht ausschliesslich als weiblich oder männlich. Das Problem: Als Kandidaten der Luzerner Kantonsparlamentswahlen müssen sie sich als Frau oder Mann auflisten.
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«Ich finde das sehr schade», sagt Désirée Müller, Mitglied der Juso. Es verletze, dass man in einer weit entwickelten Welt immer noch nicht das Geschlecht «divers» auswählen kann, so Müller gegenüber PilatusToday und Tele 1.

Grosse Enttäuschung in den linken Jungparteien

«Ich war sehr glücklich, als ich auf der provisorischen Liste als non-binär aufgelistet war», erzählt auch Eden Klein, Mitglied der jungen Grünen im Gespräch mit PilatusToday und Tele 1. Umso grösser war die Enttäuschung, als Klein nach der Bereinigung der Listen als Frau aufgelistet wurde. «Das hat mich tief getroffen.»

Im Gegensatz zu Klein hatte sich Müller bereits auf der provisorischen Liste als weiblich eingetragen. «Die Juso sagte mir, dass leider kein diverses Geschlecht zur Wahl steht», erzählt Müller. «Das macht mich traurig.»

Die Jungen Grünen stellen die erste offen non-binäre Kandidatur für den Kantonsrat und fordern dritten...

Posted by Junge Grüne Kanton Luzern on Thursday, January 26, 2023

Das Gesetz hinke hinterher

Der Kanton Luzern stützt sich auf dem Gesetz, das lediglich zwischen Mann und Frau unterscheidet. Demnach ist eine Kandidatur nur als weibliche oder männliche Person möglich. Der Kanton hinkt laut Müller stark hinterher, denn: «Sogar beim Erstellen eines E-Mail-Kontos kann ich das Geschlecht ‹divers› wählen.»

Trotzdem ist Verständnis vorhanden

Obwohl die Enttäuschung gross ist, dass ‹non-binär› keine Option in der Auflistung war, kann Müller Verständnis aufbringen. «Es gibt durchaus grössere Probleme, das ist mir bewusst», relativiert das Juso-Mitglied. Müller nerve sich zwar ab der Formalität, «die Welt geht deshalb aber nicht unter.»

Anders sieht dies Klein. Das Mitglied der jungen Grünen erwünschte sich durch die non-binäre Kandidatur eine Veränderung in der Politik und der Gesellschaft. «Ich hoffe, das ändert sich künftig und Personen können als non-binär kandidieren.»

Die dritte kandidierende Person, die sich als non-binär identifiziert, ist Fynn Gasche, ebenfalls Mitglied der Juso. Gasche wollte sich gegenüber PilatusToday und Tele 1 nicht zum Thema äussern.

veröffentlicht: 17. März 2023 21:15
aktualisiert: 17. März 2023 21:15
Quelle: PilatusToday

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