Kirche Adligenswil

Glockenschlag nachts ausschalten – deswegen ist dies so aufwendig

· Online seit 10.01.2024, 16:14 Uhr
Weil sich einige Einwohner davon gestört fühlten, wollte die katholische Kirchgemeinde Adligenswil eigentlich eine Glockenschlagsperre in der Nacht einrichten. Dass dies mit hohen Kosten verbunden ist, liegt am enormen Aufwand, der hinter der Schlagsperre steckt.

Quelle: Tele 1 / Andreas Wolf

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Damit die Glocke der katholischen Kirche Adligenswil nachts nicht mehr schlägt, müsste viel Geld in die Hand genommen werden. Gemäss Monika Koller von der katholischen Kirchgemeinde Adligenswil würde sich die Glockenschlagsperre auf 11'000 Franken belaufen, PilatusToday berichtete. Dies wurde vorerst auf Eis gelegt. Aufgrund anderweitiger wichtigerer Wartungsarbeiten hat man die Schlagsperre aus dem diesjährigen Budget gestrichen. Ein solches Uhrwerk kann nicht wie ein Computer auf die Schnelle «umprogrammiert» werden.

Sperre muss ins Uhrwerk eingebaut werden

In der Praxis würde bei einem Uhrwerk, wie man es auch bei der Kirche in Adligenswil kennt, ein mechanisches, hydraulisches Dämpfsystem in Einsatz kommen, welches die Schläge der Hämmer abfedert und sperrt. Hinter der Technik steckt ein richtiges Handwerk, weiss Markus Faden von der Firma Muri Baer AG – diese hat sich auf die Technik von Kirchen spezialisiert und ist auch für das Uhrwerk der Kirche in Adligenswil verantwortlich.

Die ganze Mechanik einer solchen Sperre muss ins Uhrwerk eingebaut werden. «Hierfür muss die Schlagsperrvorrichtung der örtlichen Situation und am mechanischen Uhrwerk entsprechend angepasst, eingebaut und die elektrische Installation für die Vorrichtung ergänzt werden», erklärt Faden. Dabei sei eine Teilzerlegung der Hebelmechanik vom Uhrwerk nötig. Da es verschieden Typen von Uhrwerken gibt, muss man jeweils individuell vorgehen. Wie dies konkret aussieht, siehst du im Tele 1-Beitrag oben im Video.

Selbstgebastelte Lösungen nicht nachhaltig

Dementsprechend bewegt sich der Preis im fünfstelligen Bereich. Eine längerfristige, aber entsprechend günstigere Variante, die Schläge zu unterdrücken, sei nur bei solchen Kirchen möglich, bei denen kein mechanisches Uhrwerk im Einsatz stehe.

Das Problem selber in die Hand nehmen und die Glockenschläge selbst blockieren, sei gemäss Markus Faden nicht empfehlenswert. Die Hämmer beispielsweise mit Leder zu unterlegen, sei nicht nachhaltig: «Es hält, solange es hält. Es kann also sein, dass eine selbst gemachte Sperre bereits innert eines Tages nicht mehr funktioniert.»

Im Falle der katholischen Kirche Adligenswil will man mit einer nächtlichen Sperre noch abwarten. Wie die Mehrheit der Adligenswiler Bevölkerung zur nächtlichen Zeitangabe steht, soll zunächst mit einer Befragung herausgefunden werden. Zudem soll eine Lärmmessung durchgeführt werden. Sobald die Resultate dazu vorlägen, könne die Diskussion zur Glockensperre weitergeführt werden.

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veröffentlicht: 10. Januar 2024 16:14
aktualisiert: 10. Januar 2024 16:14
Quelle: PilatusToday

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redaktion@pilatustoday.ch