Hausbesetzung in der Stadt Luzern

«Kann nicht sein, dass ganze Liegenschaften leer stehen»

Chantal Herger, 21. Juni 2022, 18:13 Uhr
Kaum ein Jahr ist es her, seit Hausbesetzer das Eichwäldli in Luzern verlassen haben. Heute Dienstagmorgen wurde bekannt, dass ein weiteres Haus in der Stadt Luzern besetzt wurde. Der Stadt sind in diesem Fall die Hände gebunden, weil es Privateigentum ist. Doch: Die Besetzung polarisiert.

Ein riesiges Transparent hängt von einem Balkon der Bruchstrasse 64. Darauf zu lesen: «Umbruch im Bruchquartier – Die Häuser denen, die sie beleben». Die Storen sind hinuntergelassen, die Fenster im Erdgeschoss mit braunem Papier überklebt. Von einem Fenster zum anderen hängt ein weiteres Transparent «Besetzt». Bei der Haustür klebt ein Zettel, der über die Besetzung informiert.

Dieses Haus (Bruchstrasse 64) ist besetzt. Wir sind in Kontakt mit den Besitzer*innen. Falls Sie Polizist*innen sind, dürfen Sie wieder gehen. 

Widerständige Grüsse die Besetzer*innen 

© Chantal Herger /PilatusToday

Die Aktivisten haben am Dienstagmorgen in der Stadt Luzern das Haus an der Bruchstrasse 64 besetzt. Das Gebäude stehe seit 2,5 Jahren leer. Mit der Hausbesetzung wolle man auf den knappen Wohnraum aufmerksam machen und sich gegen Spekulationen mit Häusern und Lebensraum wehren.

Wohnungsmangel in der Stadt Luzern

Etwas, was Mario Stübi, Stadtparlamentarier der SP und gleichzeitig Präsident des Mieterinnen- und Mieterverbands Luzern, Nid- und Obwalden und Uri, nachvollziehen kann. «Die Besetzung macht auf einen Missstand aufmerksam. In der Stadt Luzern herrscht Wohnungsmangel. Es kann nicht sein, dass dann ganze Liegenschaften leer stehen bleiben.»

Ganz anders sieht die Hausbesetzung der Präsident der SVP Stadt Luzern, Dieter Haller. Seines Erachtens sind die Besetzer Kriminelle, die Hausfriedensbruch begehen. «Ich halte nicht viel von dieser Aktion. In der Stadt Luzern haben wir einige Erfahrungen damit und das sind meist langwierige Geschichten.» Zudem widerspricht er den Besetzern beim Punkt, dass in der Stadt Luzern nicht genügend Wohnungsraum vorhanden sein soll.

Überraschte Anwohnerinnen und Anwohner

Auch bei den Anwohnerinnen und Anwohnern in der Bruchstrasse gibt die Hausbesetzung zu reden. Einige erzählen, dass ihnen nicht aufgefallen sei, dass das Haus seit Längerem leer steht, anderen ist dies schon länger bekannt. Was die Anwohnerinnen und Anwohner von der Hausbesetzung halten, siehst du im Video.

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Quelle: PilatusToday / Anita von Rotz

Wie Recherchen zeigen, gehört das Gebäude aktuell einer Firma namens Corgi Real Estate, die in Zug gemeldet ist. Als Präsident des Verwaltungsrates wird Fritz Burkard aufgeführt, ein Sika-Erbe. Als Corgi Real Estate die Liegenschaft kaufte, wurde ein Architekturbüro aus dem Kanton Zug mit dem Bauprojekt beauftragt. Dieses habe sich bei der Stadt Luzern für Vorabklärungen gemeldet. Weitere Informationen gab der Architekt jedoch nicht bekannt. Er wolle in Zusammenhang mit diesem Projekt nicht namentlich erwähnt werden.

Nie ein Baugesuch eingereicht

Wie Reto Käch, Bereichsleiter Baugesuche der Stadt Luzern, auf Anfrage mitteilt, sei für die Bruchstrasse 64 nie ein Baugesuch eingereicht worden. Und: Die Stadt habe bei Hausbesetzungen, die ein Privatgrundstück betreffen, keinen Handlungsspielraum. Man würde erst intervenieren, wenn das Gebäude baufällig ist und Personen gefährdet seien. «Es ist schade, dass das Gebäude leer steht und nichts gemacht wird, auch wegen des Wohnungsmangels», sagt Reto Käch weiter.

Wie lange die Hausbesetzer im Gebäude bleiben werden, ist nicht klar. «Wir halten unser Anliegen für legitim und sind uns den möglichen Konsequenzen bewusst», schreibt die Gruppe Bruch Besetzer*innen. Wie der Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Kanton Luzern, Simon Kopp, auf Anfrage erklärte, sei noch keine Strafanzeige eingereicht worden, der Grundeigentümer sei jedoch informiert.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. Juni 2022 18:45
aktualisiert: 21. Juni 2022 18:45
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