Zentralschweiz
Luzern

Keine Zivilschutzanlagen für Geflüchtete und Sorgen um Altersheim Eichhof

Asyl-Notlage im Kanton Luzern

Keine Zivilschutzanlagen für Geflüchtete und Sorgen um Altersheim Eichhof

· Online seit 13.03.2024, 05:35 Uhr
Im Kanton Luzern gilt seit Montag wieder die Asyl-Notlage. Das bedeutet, es können einfacher und schneller Unterkünfte bereitgestellt werden, wie beispielsweise Zivilschutzanlagen. Gerade diese Möglichkeit stösst beim Solinetz für geflüchtete Menschen auf Kritik.
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Mit der Ausrufung des Asyl-Notstandes kann der Kanton vermehrt auf unterirdische Zivilschutzanlagen als Notunterkünfte zurückgreifen. So ist beispielsweise erst kürzlich die Zivilschutzanlage in Schenkon in Betrieb genommen worden. Diese bietet Platz für 80 Personen.

Gegen die Menschenwürde

Solche Unterkünfte würden den Geflüchteten kaum Privatsphäre und Rückzugsorte bieten, schreibt Solinetz in einer Mitteilung. Demnach ist eine solche Unterbringung ein schwerwiegender Eingriff in die Würde und Freiheit von Asylsuchenden.

«Es entstehen häufig Konflikte, weil die Menschen in solchen Unterkünften gestresst sind», erklärt Solinetz-Vorstandsmitglied Laura Spring. Zudem sei der Zugang zur Bevölkerung und allfälligen Angeboten erschwert. Die Geflüchteten haben laut Spring weniger Abwechslung und Programm, was wiederum zu noch mehr Konflikten führe. Solinetz fordert den Kanton deswegen auf, auf unterirdische Quartiere zu verzichten. Was es brauche, sei genügend überirdischen und adäquaten Wohnraum.

Gegenwehr bei Viva Luzern Eichhof

Die Luzerner Kantonsregierung hat am Montag den Notstand mit der anhaltend hohen Zahl an Flüchtlingen und Schutzsuchenden begründet. Demnach zeichnet sich auf den Sommer hin ein Engpass bei der Unterbringung ab. Wegen des ausgetrockneten Wohnungsmarktes sei es aber schwierig, neue Unterkünfte zu finden.

Zudem gibt es bei jeder neuen Unterkunft kritische Stimmen. Eine Unterkunft soll es unter anderem beim Alterszentrum Eichhof in Luzern geben. Rund 100 Asylsuchende sollen im Haus Diamant Platz finden, wie die Betreiber des Alterszentrums sowie der Kanton vergangene Woche mitteilten.

Wie Recherchen von PilatusToday und Tele 1 zeigen, sorgt dies bei der Belegschaft für Skepsis. So auch beim Lernenden Elias Wallimann. Auf Anfrage sagt Wallimann: «Ich mache mir in erster Linie Sorgen um die Sicherheit unserer Bewohnenden. Die Asylsuchenden können überall rein und raus. Die Heimleitung hat zwar gesagt, dass man vor allem Frauen und Familien aufnehmen wolle.»

Ein weiterer Punkt, der Wallimann Sorgen bereitet, ist das Marketing. «Als Sohn oder Tochter überlegt man sich, will man wirklich die Eltern in ein Altersheim mit Durchgangszentrum stecken. Man hört ja sehr viel Schlechtes von Asylheimen. Viele haben von Anfang an Vorurteile, auch wenn die Details über das Asylzentrum noch nicht bekannt sind.»

Auf die Sorgen und Ängste aus der Belegschaft schreibt die Heimleitung: «Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam ein gutes Nebeneinander der geflüchteten Menschen, unseren Bewohnenden und Mitarbeitenden gewährleisten können. Die Betreuung der schutzsuchenden Personen ist durch den Kanton Luzern rund um die Uhr gewährleistet.»

Gemeinden in der Pflicht

Auch in Hitzkirch hat das Stimmvolk der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung gemacht, was eine Unterbringungsmöglichkeit anbelangt. Eine Initiative wurde angenommen, die eine Unterkunft im Schulhaus Mosen verhindern wollte. Für die betroffenen 36 Geflüchteten habe man zwar eine Lösung gefunden, aber die Suche nach Plätzen geht mit dem Ausrufen der Asyl-Notlage weiter.

Der Kanton Luzern setzt bei der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten aber stark auf die Mithilfe der Gemeinden. Bereits in den vergangenen zwei Jahren hätten sich die Gemeinden dafür eingesetzt, genügend Unterbringungsplätze zur Verfügung zu stellen – sofern die Bevölkerung mitmacht.

(stm/sda)

veröffentlicht: 13. März 2024 05:35
aktualisiert: 13. März 2024 05:35
Quelle: PilatusToday

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