«Sind in einer Sackgasse»

So wollen die FCL-Aktionäre Bernhard Alpstaeg rauswerfen

17.10.2023, 17:01 Uhr
· Online seit 17.10.2023, 16:24 Uhr
Die FCL-Aktionäre haben einstimmig beschlossen, Grossaktionär Bernhard Alpstaeg aus dem Aktionärsbindungsvertrag auszuschliessen. Die FCL Holding AG will Alpstaegs Aktien erwerben, damit wieder Ruhe einkehrt. «Die Fans wollen einen Klub, der gut geführt wird», betonen sie am Dienstagnachmittag vor den Medien.

Quelle: Tele 1 / PilatusToday / Martina Birrer / David Migliazza

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Am Dienstagmorgen hatten die FCL-Aktionäre in einer Medienmitteilung darüber informiert, dass sie beschlossen haben, Bernhard Alpstaeg aus dem Aktionärsbindungsvertrag ABV auszuschliessen – dies aufgrund wiederholter und schwerwiegender Pflichtverletzungen seitens Alpstaeg.

Am Nachmittag luden die Aktionäre dann zu einer Medienkonferenz im «Hotel des Balances» in der Stadt Luzern ein. Bis auf Samih Sawiris und Dominik Birrer, die im Ausland sind, waren alle FCL-Aktionäre anwesend. Mittlerweile sei für alle klar: «Bernhard Alpstaeg hat überhaupt kein Interesse gezeigt an Lösungen. Dies mussten auch wir neuen Aktionäre feststellen», ergriff FCL-Aktionär Michael Wehrle das Wort.

«Es braucht jetzt einen Schnitt»

Danach erklärte Wehrle die Idee der Aktionäre: «Bernhard Alpstaeg ist als Aktionär der FCL Holding AG nicht mehr tragbar. Eine weitere Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich. Es braucht jetzt einen Schnitt, um aus dieser Sackgasse wieder hinauszukommen. Ein wichtiger Schritt ist, dass wir alle Aktionäre, die hier sitzen, gemeinsam die Aktien von Bernhard Alpstaeg übernehmen werden.»

Der wirkliche Wert der verbleibenden 27 Prozent der Aktien von Bernhard Alpstaeg soll in den kommenden Wochen ermittelt werden. Zu einem gegebenen Zeitpunkt sollen die Aktien dann an geeignete Personen im Raum Innerschweiz weitergegeben werden. Entsprechende Gespräche würden bereits laufen und allfällige Verkaufserlöse sollen dem Verein zugute kommen.

Alpstaeg bezeichnet das Vohaben als «rechtlich haltlos»

FCL-Aktionär Josef Bieri führt den Entscheid aus: «Wir Aktionäre haben angesichts der wiederholt gravierenden Pflichtverletzungen von Herrn Alpstaeg gemeinsam und einstimmig beschlossen, ihn aus dem Aktionärsbindungsvertrag auszuschliessen.» Dieser Entscheid sei nicht leicht gefallen, aber nötig.

Artikel 14 des ABV (Aktionärsbindungsvertrag) ermögliche es, einen Aktionär auszuschliessen, wenn dieser seinen Verpflichtungen nicht nachkommt und den anderen Aktionären eine Fortführung der Zusammenarbeit nicht mehr zugemutet werden kann, so Bieri weiter. Dieser Artikel gelte für alle Aktionäre, auch für Bernhard Alpstaeg.

Der ABV sei im Mai 2012 unterzeichnet worden. Mit dem Verkauf der Aktien von Sawiris, Schmid und Sieber im Jahr 2021 ist der Vertrag nichtig geworden. Josef Bieri hatte ihn aufgelöst, weil alles «Friede, Freude, Eierkuchen» gewesen sei mit Bernhard Alpstaeg. Nun sei der Vertrag aber wieder gültig, da sich Bernhard Alpstaeg «nachweislich» nicht an die Abmachungen im Zusammenhang mit der Aufhebung dieses Vertrages gehalten habe.

Bieri habe die Anfechtung der Aufhebungsvereinbarung bereits am 2. November 2022 beim Bezirksgericht Luzern eingereicht. Zudem seien auch die neuen Aktionäre im Mai 2023 dem ABV beigetreten.

Ist der ABV wirklich gültig? 

Dies war die grosse Frage bei der Medienkonferenz am Dienstagnachmittag. «Da gibt es keine Diskussion», sagte Josef Bieri. Der Vertrag sei absolut rechtsgültig. Er sei zwar kein Jurist und er wolle sich nicht aufs juristische Glatteis lassen. Mit seinen bescheidenen Kenntnissen wisse er jedoch, dass das Gericht nichts entscheiden müsse. «Ich musste das einfach da platzieren.»

Auf wiederholte Nachfrage gibt jedoch Josef Bieri zu verstehen, dass ein Gericht auch anders entscheiden könne und der ABV damit nicht mehr rechtsgültig wäre. «Wir sind in einer Sackgasse und haben nun einfach den Befreiungsschlag gebraucht.» Das alles brauche nun Zeit – womöglich mehrere Monate – und dessen sei man sich bewusst.

Auch der Zeitpunkt der Medienkonferenz wurde infrage gestellt. Dass diese ausgerechnet kurz nach der Veröffentlichung eines Urteils des Bezirksgerichtes Luzern angesetzt wurde, sei Zufall.

Aktionäre hoffen auf aussergerichtliche Lösung

Auch Aktionär Thomas Meier ergriff am Dienstagnachmittag das Wort und stellte die Fragen in den Raum: «Was ist das Beste für den Club? Was ist das Beste für den FC Luzern?» Nach diesen Fragen müssten nun alle weiteren Entscheide getroffen werden. Ein Mehrheitsaktionär solle es auch in Zukunft nie geben. Man müsse es jetzt Schritt für Schritt nehmen, ergänzte Patrick von Deschwanden. Sollte ein «kooperatives Gespräch» möglich sein, wollen sich die FCL-Aktionäre mit Bernhard Alpstaeg an einen Tisch setzen. Man hoffe, eine aussergerichtliche Lösung zu finden.

Josef Bieri betont zum Schluss der Medienkonferenz: «Die Fans wollen einen Klub, der gut geführt wird.»

Verwaltungsrat versteht Entscheid der Aktionäre

Am Dienstagnachmittag meldet sich auch noch der Verwaltungsrat des FC Luzern Holding AG mit einer Stellungnahme. Er habe den Entscheid der Aktionäre zur Kenntnis genommen, Bernhard Alpstaeg aus dem Aktionariat auszuschliessen. Er habe Verständnis für diesen Entscheid.

Er begrüsse zudem den Entscheid der Aktionäre, bei einem allfälligen Verkauf von Aktienanteilen diese einem möglichst breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. «Nur ein breit abgestützter FC Luzern ist aus Sicht des Verwaltungsrates zukunftsfähig und garantiert eine bestmögliche Verankerung und Identifikation in der gesamten Innerschweiz.»

(red.)

veröffentlicht: 17. Oktober 2023 16:24
aktualisiert: 17. Oktober 2023 17:01
Quelle: PilatusToday

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