Unbekannte kapern URL

Websites von Luzerner Regierungsratskandidat führen zur Konkurrenz

31.01.2023, 16:32 Uhr
· Online seit 31.01.2023, 11:11 Uhr
Zwei Monate vor den Luzerner Regierungsratswahlen kommt es im Wahlkampf zu Verwirrung. Websites, die auf den Namen des parteilosen Kandidaten Jürgen Peter lauten, führen auf die Webauftritte anderer Kandidierenden. Peter wusste von nichts.
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Sucht man im Netz nach dem parteilosen Luzerner Regierungsratskandidaten Jürgen Peter, findet man zwar einen Peter. Es ist jedoch der Webauftritt des amtierenden FDP-Regierungsrats Fabian Peter. URL-Adressen wie «juergen-peter.ch» oder «juergenpeter.ch» wurden von Unbekannten gekapert und mit den Webauftritten von anderen Kandidierenden verknüpft.

Jürgen Peter fällt aus allen Wolken

«Ich fühle mich hintergangen und verstehe nicht, was das soll.» Dies sagt der parteilose Regierungsratskandidat Jürgen Peter, als ihn PilatusToday und Tele 1 auf die Websites ansprechen. Er hätte durch uns zum ersten Mal von diesen Internetadressen erfahren.

«Im Verlaufe dieser Woche werde ich dieses Thema mit den Mitbewerbern besprechen. Sollten diese Websites für jemanden ein Problem darstellen, werden wir rechtliche Schritte einleiten», sagt Peter.

Unverständnis für die Aktion

Kandidierende, die von der Aktion profitieren sollten, reagieren ebenfalls überrascht. Auf Anfrage sagt etwa Regierungsrat Fabian Peter (FDP): «Ich habe letzten Freitag von diesen Websites erfahren. Ich war sehr erstaunt und verstehe nicht genau, was das bringen soll.» Weitere Gedanken darüber habe er sich jedoch nicht gemacht. «Es ist so wie es ist.»

Für Regierungsratskandidat Armin Hartmann (SVP) ist eine solche Aktion unnötig und unangebracht, wie er verlauten lässt. Weitere Kandidierende wie Claudia Huser (GLP) und Michaela Tschuor (Die Mitte), die ebenfalls von den gekaperten URLs betroffen sind, waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar respektive wollten sich nicht dazu äussern.

Verantwortliche kaum auffindbar

«Meistens ist es schwierig nachzuweisen, wer hinter einer solchen Domain steckt», sagt Ursula Uttinger, Dozentin Datenschutz an der Hochschule Luzern. Hinterlegt seien oft Registrationsfirmen. Die Ersteller einer Website sind jedoch meistens nicht ersichtlich, und sie aufzuspüren sei kompliziert. «In meinen Augen sehe ich kein System dahinter.»

Doch was für Möglichkeiten gibt es, wenn man sich wehren möchte? «Die Persönlichkeitsverletzung könnten in diesem Fall am ehesten gelten gemacht werden», erklärt Uttinger. Doch hierfür müssten konkrete Abklärungen gemacht werden. Im Zentrum stünden Fragen wie, inwiefern die betroffene Person geschädigt wird. Solche zivilrechtlichen Verfahren sind laut der Expertin aber oft langwierig.

Peter rechnet nicht mit negativen Auswirkungen

Dass diese Aktion nun negative Auswirkungen für die bevorstehenden Wahlen haben könnte, glaubt Jürgen Peter nicht. Der geborene Deutsche lebt seit zwölf Jahren in der Schweiz, wohnhaft ist er in der Stadt Luzern. Seit Oktober letzten Jahres sind er und seine Frau eingebürgert und besitzen den Schweizer Pass.

Und auch Ursula Uttinger von der Hochschule Luzern glaubt, dass diese Aktion Peter eher nützen statt schaden wird im Hinblick auf die Wahlen. «Eine solche Berichterstattung verbreitet sich schnell.»

veröffentlicht: 31. Januar 2023 11:11
aktualisiert: 31. Januar 2023 16:32
Quelle: PilatusToday

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