Anzeige
Hoffnung und Druck

So reagieren Gewerbe und Politik auf die angekündigten Lockerungen

13. Mai 2021, 08:08 Uhr
Gastronominnen dürfen ihre Gäste wohl schon bald auch drinnen bedienen.
© Getty Images
Der Tenor ist klar: Die meisten Reaktionen aus der Politik und dem Gewerbe fallen positiv aus. Doch einige hätten sich schnellere und noch mehr Lockerungen gewünscht.

Gastrosuisse erfreut, wenn auch ungeduldig

Der Gastgewerbeverband Gastrosuisse hat erleichtert auf den bundesrätlichen Vorschlag reagiert, die Innenräume von Restaurants bald zu öffnen. Doch er hätte sich einen schnelleren Zeitplan gewünscht. «Wir sind erleichtert», sagte Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer am Mittwoch. «Es geht in die richtige Richtung.» Das Gastgewerbe werde alles daran setzen, die Schutzkonzepte einzuhalten und die Betreiber und Gäste genügend für die Datenerfassung zu sensibilisieren.

Ein Wermutstropfen sei der angekündigte Zeitplan, sagte Platzer. Denn, wenn der Bundesrat am 19. Mai einen Entscheid gefällt hätte, dann wäre eine Öffnung auf Pfingsten oder eine Woche später möglich gewesen.

Auch dem Schweizerischen Gewerbeverband (sgv) geht die Öffnungen zu langsam.  Der Verband begrüsst zwar die Lockerungsschritte, beurteilt diese aber als zu zögerlich und zu wenig weitgehend. In der Logik des gezielten Schutzes mit Schutzkonzepten sei eine vollständige Öffnung per 17. Mai möglich, hiess es in einer Twitter-Nachricht.

Bar- und Clubbetreiber zeigen sich enttäuscht

Keine Freudensprünge macht die Bar & Club Kommission Zürich – sie hatte sich deutlich mehr vom Bundesrat erhofft: «Die Kapazitäten für kulturelle Veranstaltung vor Publikum auf 100 Personen drinnen und 300 Personen aussen bieten keine wirklich neuen Perspektiven für die Kulturunternehmen.»

Auch seien sie enttäuscht darüber, dass es keine weiteren Aussagen zu Pilot- und Grossveranstaltungen gab, obschon die Vernehmlassung dazu am Montag abgelaufen ist. «Die Ungewissheit bleibt bestehen, von einer Planungssicherheit kann noch lange nicht die Rede sein.»

SP fordert Impfgerechtigkeit

Die SP zeigte sich erfreut darüber, dass die epidemiologische Lage weitere Öffnungsschritte zulässt. Allerdings forderte die Partei «Impfgerechtigkeit». Es dürfe nicht sein, dass gerade jene Personen, die ohne Computerzugang in exponierten Branchen arbeiten, bei den Terminbuchungen leer ausgehen und dadurch später geimpft werden, wurde Co-Präsidentin Mattea Meyer in einer Mitteilung zitiert.

Zuger SVP-Nationalrat Aeschi: «Bevölkerung wird weiter schikaniert»

Gewissen Kreisen aus dem bürgerlichen Lager gehen die Öffnungen zu wenig weit und zu wenig schnell. «Den nächsten Lockerungsschritt hätte man ab sofort umsetzen sollen», so der Zuger SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi gegenüber von «20 Minuten».

Pessimistische Szenarien der Taskforce seien nicht eingetroffen und immer mehr seien geimpft, dennoch werde die Bevölkerung weiter schikaniert. «Nun müssen Geimpfte Abstand halten, Maske tragen und sich im Büro auch noch testen lassen – das ist übertrieben.»

Vorsichtig bleiben, sagen Grüne und die Mitte

Vorsichtig und solidarisch bleiben, heisst es von der Mitte-Partei. «Verantwortung übernehmen. Die Schweiz zusammenhalten», schreibt die Mitte auf Twitter. Ins gleiche Horn bläst die Grüne. Präsident Balthasar Glättli schrieb auf Twitter, die Vorsicht bleibe zentral, sonst käme es zu einem Boomerang-Effekt.

FDP: «Warum so lange warten?»

Und auch aus der FDP klingt es eher nach Vollgas als nach langsamem Lösen der Handbremse. Man begrüsse die neusten Entscheide des Bundesrats, «doch warum so lange warten, wenn sich die epidemiologische Lage so positiv entwickelt?», heisst es in einer Mitteilung. Sobald Personen der Risikogruppen die Möglichkeit zur Impfung hätten, sollen weitere Lockerungen für Genesene, Getestete und Geimpfte her, heisst es weiter.

Die Schwyzer Nationalrätin und FDP-Präsidentin Petra Gössi fordert zudem eine rasche Umsetzung des sogenannten Covid-Zertifikats:

(red.)

Quelle: sda/PilatusToday
veröffentlicht: 13. Mai 2021 07:57
aktualisiert: 13. Mai 2021 08:08