Zentralschweiz

Viele Unfälle von Bauern werden gar nicht gemeldet

Landwirtschaft

Viele Unfälle von Bauern werden gar nicht gemeldet

· Online seit 19.06.2023, 13:26 Uhr
Die Unfälle bei Landwirtinnen und Landwirten scheinen sich in den vergangenen Monaten zu häufen. Die Beratungsstelle für landwirtschaftliche Unfälle fordert deswegen mehr Disziplin beim Arbeiten.
Anzeige

Innerhalb der letzten 11 Tagen haben sich in der Zentralschweiz drei tödliche Unfälle in der Landwirtschaft ereignet. Der jüngste Vorfall geschah am Mittwochnachmittag in Wiggen während des Heuens. Es scheint, als würden sich Unfälle bei den Bauern häufen. Doch stimmt das?

Die Stiftung «Agriss», welche die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz in landwirtschaftlichen Betrieben kontrolliert, hält solche tödlichen Unfälle statistisch fest. Dies anhand von Medien-, Polizei- und persönlichen Berichten.

Demnach sind im vergangenen Jahr schweizweit 27 Personen in der Landwirtschaft ums Leben gekommen. Also alle zwei Wochen starb eine Person. In der Zentralschweiz waren es 2022 fünf Unfälle mit sechs Toten.

Zahl in den vergangenen Jahrzehnten rückläufig

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der tödlich verunglückten Landwirtinnen und Landwirten stagniert. Wenn man aber die Entwicklung der letzten fast 30 Jahren betrachtet, hat es immer weniger Unfälle gegeben. Ganz eindeutig lässt sich dies aber nicht sagen.

Der Krux an den Unfällen in der Landwirtschaft: Die Bauern sind nicht verpflichtet, zu melden, wenn etwas passiert, erklärt die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft BUL. «Es kann davon ausgegangen werden, dass zumindest die tödlichen Unfälle in einem hohen Prozentsatz bekannt werden», so Cornelia Stelzer von BUL. Zudem erscheine ein schwerer Unfall eher noch in einem Medienbericht.

Bei allen anderen Unfällen gehe man von einer grossen Dunkelziffer aus. Glimpfliche Unfälle würden kaum gemeldet. 

Tödliche Unfälle oft mit Fahrzeugen und Maschinen

Die meisten tödlichen Unfälle in der Landwirtschaft passieren mit einem Motorfahrzeug, heisst es bei Agriss. Gefolgt von Forstunfällen und solchen, bei denen Maschinen involviert waren. Jene mit Fahrzeugen und Maschinen machen zusammen fast die Hälfte aller Unfälle aus.

Zurückzuführen sei dies auf die fehlende Disziplin von gewissen Landwirten, erklärt die zuständige Beratungsstelle. «Man unterschätzt hier oft das Unfallrisiko. Besonders gefährlich sind Fahrzeuge im Gelände, auf der Strasse oder auch Hebefahrzeuge», erklärt Cornelia Stelzer. Zudem stelle man auch immer wieder fest, dass es an Routine fehlt. Oder sich die Bauern in falscher Sicherheit wiegen, weil an der betroffenen Stelle noch nie ein Unfall passierte.

«Ob man ‹grad noch Schwein gehabt hat› oder schwer verunfallt, ist oft nur eine Frage von Zentimetern oder Sekunden – Faktoren des Zufalls, die man nicht steuern kann.»

Prävention hat wichtigen Stellenwert

Deswegen sei es gemäss BUL wichtig, dass man dem Thema Unfallprävention einen ebenso wichtigen Stellenwert beimisst wie anderen produktionsrelevanten Abläufen. «Viele Betriebe sind hohen Belastungen ausgesetzt und man kann kaum Zeit oder Ressourcen bereitstellen, sich gezielt mit der Unfallprävention auseinanderzusetzen», erklärt Stelzer.

Die BUL und Agriss würden dabei Landwirte mit Aus- und Weiterbildungen, Fachinformationen, Beratungen und Schulungen vor Ort unterstützen.

Scan den QR-Code

Du willst keine News mehr verpassen? Hol dir die Today-App.

veröffentlicht: 19. Juni 2023 13:26
aktualisiert: 19. Juni 2023 13:26
Quelle: PilatusToday

Anzeige
Anzeige
redaktion@pilatustoday.ch