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Havarie

Immer wieder kracht es auf dem Vierwaldstättersee

17. Mai 2021, 19:13 Uhr
Am Freitag ist die «MS Europa» in die Luzerner Seebrücke geprallt – dies war nicht ihr erstes Malheur. Ein Blick ins Archiv zeigt jedoch: Die grossen Dampf- und Motorschiffe sind relativ sicher. Zu grösseren und tödlichen Unfällen kam es meist bei kleinen Booten.
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Quelle: PilatusToday

Am Freitag kam es bei der Seebrücke Luzern zu einer Havarie: Die «MS Europa» prallte in die Seebrücke (PilatusToday berichtete). Die Ursache war ein Fahrfehler. Es war nicht das erste Malheur des Motorschiffs: Im Februar 1993 brannte die «MS Europa» lichterloh im Werftareal. Verletzt wurde glücklicherweise niemand – sowohl damals als auch am Freitag.

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Quelle: Leservideo

Der Zusammenstoss der «MS Europa» dürfte beim einen oder anderen Erinnerungen an andere Unfälle mit Dampfschiffen oder Motorbooten wachrufen. Etwa, als im Dezember 2017 die «MS Diamant» in Kehrsiten in einen Felsen fuhr und mehrere Lecks riss. Das Schiff war damals erst seit gut einem halben Jahr auf dem See unterwegs.

Sprung durchs Bullauge

Oder vielleicht kann sich auch noch jemand an den Brand der «Stadt Luzern» erinnern? Zwei Minuten bevor das Schiff am 2. August 1984 vom Landungssteg 2 Richtung Flüelen hätte starten sollen, brach in der Küche aufgrund eines Spiritusrechauds ein Feuer aus. 723 Passagiere waren an Bord. Obwohl das Personal sofort eingriff, geriet das gesamte Inventar in Brand. Zwei Köche und zwei Hilfskräfte, denen durch das Feuer der Fluchtweg abgeschnitten wurde, konnten sich nur noch durch einen Sprung durch die Bullaugen ins Freie retten.

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass es bereits früher diverse Unfälle auf dem Vierwaldstättersee gab. Bei grossen Motorbooten und Dampfschiffen kam es hie und da zu kleineren Zusammenstössen. Diese gingen aber nicht so oft tödlich aus wie bei Unglücken mit kleineren Booten.

Tragische Hochzeitsfeier

Das bekannteste Unglück auf dem Vierwaldstättersee ist wohl jenes der verunglückten Hochzeitsgesellschaft aus dem Entlebuch im Jahre 1944. 20 Menschen fanden in dieser Nacht den Tod im See, viele Kinder verloren ihre Eltern (PilatusToday berichtete).

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Quelle: Tele 1

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es vor allem wetterbedingte Unfälle mit Nauen. Die Transportschiffe verunglückten aufgrund von Nebel oder überraschend starken Föhnböen. Selten konnte sich die Besatzung retten. Doch auch bei anderen Booten, meist kleinen, kam es zu tragischen Unfällen.

Ruderer versinken im Urnersee

Im Jahre 1928 etwa gerieten drei Boote des Ruderklubs Uri mit 12 Mann in einen Föhnsturm. Die Boote der Ruderer füllten sich langsam mit Wasser. Wohl um das Boot für die anderen Ruderer zu entlasten, versuchten einige gute Schwimmer, sich an Land zu retten. Während drei Personen so rettende Felsvorsprünge erreichten, gingen auch drei Personen in der starken Uferbrandung unter, wohl aus Erschöpfung.

Explosion auf einem Rennboot

1947 ereignete sich beim Meggenhorn ein Unglück. Ein privates Rennboot, an dem kurz zuvor Reparaturarbeiten vorgenommen wurden, stach mit vier Personen in See. 100 Meter vom Ufer des Meggenhorns gab es plötzlich eine gewaltige Explosion und das Boot wurde an gewissen Stellen auseinandergerissen. Die Schiffsinsassen erlitten dabei zum Teil schwere Verletzungen, doch dank der Hilfe von Schiffsführern konnten sie gerettet werden.

Nach Schützenfest gekentert

Nur zwei Jahre später kam es zu einem weiteren Wetterunglück: Sieben Männer, auch unter ihnen gute Schwimmer, traten nach einem Schützenfest die Heimreise im Boot an. Der See war spiegelglatt und ruhig. Als der Steuermann Kurs auf die Schifflände nehmen wollte, brachte ein Windstoss das Boot ins Wanken und schliesslich zum Kentern. Lediglich zwei Männer konnten sich geistesgegenwärtig am gekenterten Boot festklammern und so ihr Überleben sichern. Für die anderen kam jede Hilfe zu spät.

Jugendliche verunglücken mit Ruderboot

Auch beim Fall von 1959 war es der unberechenbare Wind, der drei Jugendlichen im Alter von 14 und 17 Jahren zum Verhängnis wurde. Mit einem in der Stadt Luzern gemieteten Ruderboot fuhren die drei Jungen in Richtung Tribschen. Nach einem kurzen Halt ging die Fahrt weiter aus der Bucht hinaus. Als langsam Wind aufkam, trauten sich die jungen Männer nicht mehr zurückzukehren: Ihr Ziel war nun Kehrsiten. Auf der Fahrt an den Bürgenberg füllte sich das Ruderboot immer mehr mit Wasser, bis es kenterte.

Die drei Jungen fielen ins kalte Wasser und versuchten, sich durch Schwimmen über Wasser zu halten. Für einen der drei Jungen kam jede Hilfe zu spät. Vermutlich hatte er infolge des kalten Wassers einen Schock oder Herzstillstand erlitten. Die Leiche des Ertrunkenen wurde nach langer und intensiver Suche in einer Tiefe von gut 95 Metern geborgen.

*Informationen zu den Schiffsunglücken aus: Schiffsunglücke auf dem Vierwaldstättersee 1766 bis 1984 von Heinz Schürmann, Stadtarchiv.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. Mai 2021 19:05
aktualisiert: 17. Mai 2021 19:13