Zu wenig Hebammen

Wegen Fachkräftemangel: Keine Geburtsbegleitung im Geburtshaus

24.11.2023, 07:53 Uhr
· Online seit 23.11.2023, 09:43 Uhr
Der Fachkräftemangel zeigt sich bei den Hebammen besonders akut. Nachdem im Spital Einsiedeln die Geburtenabteilung schliessen musste, können nun auch Geburtshäuser in der Region keine passende Begleitung mehr anbieten.
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An allen Ecken und Enden fehlt es an Fachpersonal – auch bei den Hebammen. Davon betroffen ist unter anderem das neue Geburtshaus Terra Alta in der Stadt Luzern, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet. Werdende Eltern wurden demnach darüber informiert, dass seit dem 20. November keine Geburtsbegleitung mehr angeboten wird.

Zweiter Standort springt ein

Der Terra-Alta-Standort in Oberkirch ist nicht von Einschränkungen betroffen. «Dort haben wir genügend Kapazitäten und können auch die Gebärenden von Luzern aufnehmen», sagt Zgraggen, Co-Geschäftsführerin von Terra Alta. Für diese werde bis Ende Dezember ein Fahrdienst angeboten.

In Luzern seien Schwangerschaftsbegleitungen und -kontrollen sowie Vorbereitungskurse weiterhin möglich, schreibt die Zeitung. Und im Frühling 2024 sollen auch Geburtsbegleitungen mit einem Beleghebammensystem wieder aufgenommen werden, wie Anja Zgraggen ausführt. Der genaue Zeitpunkt sei aber noch nicht ganz klar.

Quelle: Spital Einsiedeln schliesst Geburtenabteilung / PilatusToday / Andreas Wolf / Beitrag vom 27. September 2023

«Anspruchsvolle» Situation in Spitälern

Wegen fehlendem Personal musste das Spital Einsiedeln ihre Geburtenabteilung schliessen. Doch wie sieht es mit dem Fachkräftemangel an anderen Spitälern aus? Mediensprecherin Judith Dissler von der Hirslanden-Klinik St. Anna sagt auf Anfrage der «LZ»: «Dank des Einsatzes des engagierten Teams kann die Nachfrage aktuell wie gewohnt abgedeckt werden.» Aber auch bei ihnen sei das Team der Geburtenabteilung nicht voll besetzt.

«Eine Reduktion oder Überweisungen von Geburten war an den Luks-Standorten bisher nicht notwendig», so die Medienstelle des Luzerner Kantonsspitals. Die Situation sei für das Personal jedoch anspruchsvoll und die Einsatzplanung herausfordernd.

Selbstständigkeit attraktiver

Die Gründe des akuten Hebammen-Mangels kenne man eigentlich schon vom Fachkräftemangel in der Pflege, erklärt Andrea Weber-Käser, Geschäftsführerin des Schweizerischen Hebammenverbands. «Jahrzehntealte, unattraktive Arbeitszeitmodelle mit ungenügender Abgeltung der Überzeit», fasst sie die Problematik kurz zusammen.

Ausserdem seien die Löhne nicht zufriedenstellend und die starren Hierarchien unter ärztlicher Leitung würden die Arbeitsbedingungen zusätzlich unattraktiv machen. Somit sei es für viele Hebammen viel attraktiver, selbstständig tätig zu sein. Im stationären Setting fehlen sie nun aber ganz offensichtlich.

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veröffentlicht: 23. November 2023 09:43
aktualisiert: 24. November 2023 07:53
Quelle: Luzerner Zeitung

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redaktion@pilatustoday.ch