Innerschweizer Filmpreis

Heutige Preisverleihung: «Der Start in eine erfrischende Zukunft»

Sven Brun, 6. März 2021, 06:08 Uhr
Zum dritten Mal findet heute die Preisverleihung des Innerschweizer Filmpreises statt. Ausgezeichnet wurden 15 Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme. Die Produktionen werden an diesem Wochenende per Streaming gezeigt.

Heute ist es so weit: Nach 2017 und 2019 findet die dritte Ausgabe des Innerschweizer Filmpreises der Albert-Koechlin-Stiftung statt. In diesem Jahr in neuer Form und nur online.

In den vergangenen Tagen konnten wir auf PilatusToday mehrere Filme vorstellen und einen Blick hinter die Produktionen erhaschen. In den Interviews mit den Regisseurinnen und Regisseuren haben wir gespürt, die Innerschweizer Filmszene lebt. Ob persönliche Dokus oder Millionen-Produktionen, sie alle haben eines gemeinsam: Es steckt viel Herzblut und Leidenschaft dahinter.

Die diesjährige Ausgabe des Innerschweizer Filmpreises findet online per Streaming statt.

© Innerschweizer Filmpreis

Welche Bedeutung der Innerschweizer Filmpreis hat und was von den Innerschweizern Regisseurinnen und Regisseuren in der Zukunft zu erwarten ist, erfahrt ihr im folgenden Interview mit dem Projektleiter der Albert-Koechlin-Stiftung, Martino Froelicher:

Martino Froelicher, am 6. & 7. März werden zum dritten Mal die Innerschweizer Filmpreise verliehen. Welche Bedeutung hat der Preis?

Die Preisverleihung und das Wochenende für den Innerschweizer Film bietet einer breiteren Öffentlichkeit die Gelegenheit, die ganze Palette des hiesigen Filmschaffens bewusster wahrzunehmen. Es ist auch für uns jedes Mal eine Freude, neben bekannteren Kinoproduktionen auch Kurzfilme und Animationsfilme zeigen zu können, die oftmals nur an Festivals, auf Streaming-Portalen oder zu später Stunde im SRF-Programm laufen.

Martino Froelicher ist Projektleiter bei der Albert-Koechlin-Stiftung.

© zvg

Die Preisverleihung verfolgt das Ziel «Geleistetes anerkennen, kontinuierliches Schaffen unterstützen und neue Projekte ermöglichen». Wie wichtig ist ein solcher Preis für die Filmschaffenden auch im Hinblick auf das Preisgeld?

Man muss wissen: Die Zentralschweiz befindet sich im schweizweiten Vergleich der Filmförderung durch die Kantone immer noch auf dem letzten Platz. Dabei wäre man sich einig, dass eine Verbesserung der Situation überfällig ist. Insofern ist der Preis kein Ersatz, sondern ein zusätzliches Engagement.

Aus den Rückmeldungen der Preisträgerinnen und Preisträger wissen wir, wie eminent wichtig ihnen diese Auszeichnung ist. Sei es im Sinne der Anerkennung und der öffentlichen Wahrnehmung, insbesondere jedoch durch die finanzielle Unterstützung. Das Preisgeld verschafft Luft für neue Ideen, hilft neue Projekte anzupacken.

Die Verleihung findet in diesem Jahr online statt. Wie schmerzhaft ist es, die Preise nicht persönlich übergeben zu können?

Man muss die Situation akzeptieren und das Beste daraus machen. Wir haben das Programmheft dazu benutzt, den Würdigungen durch die Fachjury mehr Platz zu geben. Wir haben eine Begleitpublikation mit dem Namen Film.Hier. erarbeitet, die über den Anlass hinaus einen generellen Einblick in das Innerschweizer Filmschaffen erlaubt.

Was zeichnet die diesjährige Preisverleihung aus? Was ist anders als bei den vorherigen Austragungen?

Es ist wiederum ein Mix aus erfahrenen und jüngeren Filmschaffenden herausgekommen, darunter auch Abschlussfilme. Konstant hoch geblieben ist der Anteil Filme von Frauen. Anders als bei den vorherigen Austragungen ist insbesondere der Fakt, dass einige Filme aufgrund von Corona ihren Kinostart noch gar nicht hatten, nur ganz kurz liefen oder abrupt gestoppt wurden.

Die Albert-Koechlin-Stiftung setzt sich stark für die Innerschweizer Kulturschaffenden ein. Welches Ziel verfolgen Sie?

Wir freuen uns, mit dem Innerschweizer Filmpreis einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt unserer Region zu leisten. Die Filmausbildung an der Hochschule Luzern – Design & Kunst hat einen sehr guten Ruf. Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, dass dieses Potenzial der Region erhalten bleibt. Die tiefe regionale Filmförderung hat zur Folge, dass viele Talente nach der Ausbildung wieder gehen. Unter den gegebenen Umständen ist es leider so, dass auch die nationalen Fördermittel wenig bis gar nicht beansprucht werden können.

In mehreren Interviews haben wir erfahren, wie wichtig und dankbar die Filmemacher über diesen Preis sind. Macht Sie dies auch ein wenig stolz?

Wir stellen mit Freude fest, dass der Innerschweizer Filmpreis bereits nach der dritten Ausgabe zu einer festen Grösse im Innerschweizer Kulturleben geworden ist. Wir freuen uns sehr, dass das Engagement sowohl bei den Direktbetroffenen, beim Publikum als auch bei den Medien auf Interesse stösst.

Zum Schluss: Was erwarten Sie von Innerschweizer Filmschaffenden in der Zukunft?

Der Mix an gestandenen und aufstrebenden Filmschaffenden, die Tatsache, dass man sich gegenseitig unterstützt, sich gemeinsam für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen einsetzt, gefällt mir persönlich. Es ist ein guter Nährboden vorhanden, um Geschichten erzählt zu bekommen, in Abgründe zu schauen, irrwitzigen Trickfilm-Szenarien zu folgen oder in Kurzfilmen zu erleben, wie es jemand schafft, ein Thema fadengrad auf den Punkt zu bringen. Die Basis für den Start in eine freudige, erfrischende Zukunft wäre da.

Sven Brun
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. März 2021 05:56
aktualisiert: 6. März 2021 06:08