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Bundesasylzentrum Buosingen: Viel Kritik am Infoanlass

Arth-Goldau

Bundesasylzentrum Buosingen: Viel Kritik am Infoanlass

18.04.2024, 06:11 Uhr
· Online seit 18.04.2024, 05:43 Uhr
Am Mittwochabend informierten die Behörden in der proppenvollen Turnhalle Allmig in Oberarth über die Pläne des Bundes. Da wo heute ein Campingplatz steht, sollen schon bald Asylsuchende ein- und ausgehen. Viele Anwohner haben Angst. Von der Notwendigkeit des Zentrums überzeugen konnten die Behörden die Anwesenden nicht.

Quelle: PilatusToday / Florian Estermann

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Im Januar wurde bekannt, dass der Bund zwischen Goldau und Lauerz in der Gemeinde Arth ein neues Asylzentrum für 170 Personen betreiben will. Am Mittwochabend fand die mit Spannung erwartete Informationsveranstaltung statt. Der Anlass richtete sich an die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Arth und deren Nachbargemeinden. Folgende Personen informierten die Teilnehmenden aus erster Hand über die Pläne des Bundes:

Staatssekretariat für Migration (SEM)

·      Christine Schraner Burgener, Staatssekretärin

·      Marcel Suter, Vizedirektor und Leiter Direktionsbereich Bundesasylzentren

Kanton Schwyz

·      Petra Steimen-Rickenbacher, Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin

·      Xaver Schuler, Regierungsrat und Sicherheitsdirektor

Gemeinde Arth

·      Ruedi Beeler, Gemeindepräsident

·      Fidel Schorno, Gemeinderat, Ressort Soziales

Zunächst informierten die Vertreter von Bund, Kanton und Gemeinde detailliert über das Projekt auf dem Campingplatz in Buosingen und den Betrieb des Bundesasylzentrums. Danach konnten die Anwesenden Fragen stellen. Die Stimmung in der Dreifachturnhalle Allmig in Oberarth war angespannt. So sagte beispielsweise der Arther Gemeindepräsident Ruedi Beeler (Mitte), dass die Welt in Arth seit dem 10. Januar, als die Pläne des SEM bekannt geworden seien, nicht mehr dieselbe sei. Es habe sich «einiger Protest» entladen.

SEM zeigt Verständnis für Verunsicherung

Der Gemeindepräsident stellte sich jedoch hinter die Pläne des SEM. Der Gemeinderat habe aber «nicht leichtfertig» Ja gesagt. Zentral sei, dass Arth als Gegenleistung faktisch von der «Asyllast» befreit werde, und dass Bund und Kanton die Sicherheit gewährleisten.

SEM-Leiterin Christine Schraner Burgener zeigte Verständnis für die Sorgen der Artherinnen und Arther. Sie habe gelernt, dass neue Bundesasylzentren Befürchtungen auslösen. Dabei gehe es vor allem um die Sicherheit «in seiner wohlvertrauten Umgebung». Asylsuchende seien Fremde, sagte sie, aber sie fühlten sich auch als Fremde.

Schraner Burgener stellte nicht in Abrede, dass es auch unter den Geflüchteten solche gebe, die sich nicht an die Regeln halten. Die grosse Mehrheit verhalte sich aber korrekt.

Buhrufe und Pfiffe

In der anschliessenden Diskussionsrunde warf ein Einwohner von Arth dem Gemeinderat vor, «Höseler» zu sein. «Wir wollen kein Bundesasylzentrum in Buosingen, in Arth, im Talkessel Schwyz und auch nicht im Kanton Schwyz», sagte er unter dem Beifall der Anwesenden.

Er habe das Gefühl, man sorge für alle, aber nicht für die eigenen Leute, sagte ein Votant. Als seine Frage nach den Betriebskosten des Zentrums nicht beantwortet werden konnte, gab es Buhrufe und Pfiffe.

Mehrmals wurde dem SEM – oder der «Classe politique» – vorgeworfen, sich nicht an die demokratischen Regeln zu halten. Ein Anwohner von Buosingen fragte, warum das Bundesasylzentrum auf dem Land, wo es niemand wolle, erstellt werde, und nicht in einer Stadt. In den Städten gebe es Asylzentren, entgegnete Schraner Burgener.

Mehrere redeten sich in ausufernden Voten ihren Frust über die Migration von der Seele. Auf erklärende Antworten der Behördenvertreter reagierten die Anwesenden öfters mit Gelächter.

Es werde bezüglich der Sicherheit alles schöngeredet, sagte einer. Ein anderer forderte diejenigen Anwesenden auf, die für das Zentrum seien, die Hand zu erheben – die Abstimmung fiel deutlich dagegen aus.

Chronologie der Ereignisse

Die Pläne des Bundes in der Gemeinde Arth treibt die Menschen in der Region um. Seit Bekanntwerden des Vorhabens ist schon Einiges passiert.

22. März 2024: Mit der sogenannten «Resolution von Buosingen» wehrt sich die SVP des Kantons Schwyz direkt bei Bundesrat Beat Jans gegen das geplante Asylzentrum. Sie fordert, dass im ganzen Kanton kein Bundesasylzentrum betrieben wird und abgewiesene Asylsuchende sofort ausgeschafft werden.

22. Februar 2024: Gegen 250 Personen demonstrieren im Regen friedlich gegen das geplante Asylzentrum. Auch der heutige Präsident der SVP Schweiz, Marcel Dettling, ist zugegen.

14. Februar 2024: Die Schwyzer Regierung beteuert, dass sie die Sicherheit im künftigen Asylzentrum sehr ernst nimmt. Im Vorfeld hatten mehrere Politiker Sicherheitsbedenken geäussert.

7. Februar 2024: In einer Nacht- und Nebelaktion verteilen Anonyme Flyer in alle Briefkästen in der Gemeinde Arth. Die Texte auf dem Flyer provozieren und beinhalten Falschinformationen.

25. Januar 2024: Der Schwyzer Heimatschutz spricht sich gegen das geplante Bundesasylzentrum Buosingen aus. Das Gebiet stehe unter Schutz.

10. Januar 2024: PilatusToday berichtet erstmals darüber, dass auf dem Campingplatz Buosingen ein Asylzentrum kommen soll. Die Eigentümerfamilie will das Areal dem Bund verkaufen.

(hpe/sda)

veröffentlicht: 18. April 2024 05:43
aktualisiert: 18. April 2024 06:11
Quelle: PilatusToday

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